Ein unscheinbarer Eingang, mehrere Flügeltüren hintereinander. Unsanierter Altbau – Im UT Connewitz scheint die Zeit stehen geblieben zu sein oder anders: hier hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Betritt man die Halle, offenbart sich ein riesiger Raum der früher Filmvorführungen gedient hat im klassischen Stil Anfang des letzten Jahrhunderts.  An vielen Stellen löst sich die Tapete oder ist schlichtweg gar nicht vorhanden. Diese Kälte des Raumes ist vermutlich genau das was diese Location unglaublich sympathisch macht. Ein Hauch von Underground, Vergänglichkeit und Nostalgie in möglichst positiven Sinn dieser Begriffe.

Fotos: Stephanie Heinitz

Am vergangenem Samstag hat der in Leipzig beheimatete Radio Sender und der Inbegriff für neue und gute Musik detektor.fm seinen 3ten Geburtstag gefeiert und sich eben diese Location für diesen Anlass ausgesucht.

Auf den ersten Blick passt es überhaupt nicht. Warum sollte ein Radiosender mit Ausrichtung in die Zukunft eine Venue wählen, die Spuren der Vergangenheit trägt? Jedoch kann es nicht besser passen. Detektor hat sich dazu verpflichtet unabhängig von der großen, profitorientierten Musikindustrie einfach das zu machen, was ein Radio früher war: Unterhalten und Informieren. Frei von kommerziellen Gedanken – mit guter und vor allem gut recherchierter Musik. So wie früher eben.  Ein Konzept, das aufgeht und das entsprechenden Zuspruch bekommt. Gewiss nicht selbstverständlich in unserer Zeit. An diesem Punkt ist die Fokussierung auf eine Location mit Tradition und Geschichte die richtige Wahl gewesen. Besondere Stimmung an diesem Abend war zumindest zu erwarten.

Hundreds, Panda People und Grizzly als DJ-Set waren auf dem Programm. Klingt rund. Persönlich hab ich mich sehr auf den Abend gefreut. Hundreds durfte ich mittlerweile mehrmals erleben auf mal mehr, mal weniger erfolgreich gewählten Bühnen. Für mich sind sie ganz klar ein Club-Act. Man braucht Wände, die diese Musik eingrenzen und die Atmosphäre zusammenpressen. Aus meiner Sicht waren Hundreds Konzerte immer sehr besonders, aber wie gesagt nur auf ausgewählten Events. Umso mehr funktionierte in meinem Kopf die Vorstellung, dass genau diese Halle prädestiniert wäre für den durchdringenden Sound dieses Duos.

Panda People – ein weiteres Highlight für mich, vor paar Wochen erst in der Neuvorstellung bei pop10 erwähnt, konnte ich mir nun ein Livebild von dieser Combo machen. Eine Band auf die ich sehr gespannt war nicht nur musikalisch, sondern auch auf ihre Präsentation auf der Bühne.

So nach und nach beginnt sich der Konzertraum zu füllen. Aber irgendwie ist die Stimmung sehr verhalten. An sich nichts ungewöhnliches. Ich warte ab. Die Jungs von Panda People betreten die die Bühne und liefern eine sehr sympathische Leistung ab. Das Licht ist dunkel gehalten. Hauptsächlich erkennt man nur die Silhouetten der Bandmitglieder. Leider verschwimmt der Sound in dem Raum durch  den Hall, der sich unter der Decke sammelt. Das noch relativ lichtende Publikum bekommt dennoch Lust zu tanzen. Kurz gehaltene Ansprachen, mehr Musik. Die Jungs haben Lust; ich kaufe es Ihnen ab, dass es nicht nur Show ist. Ein rundes Konzertereignis, aber dennoch hab ich das Gefühl, dass der Funke nicht überspringen will. Warum kann ich auch nicht sagen. Vielleicht ist es die Größe der Halle, vielleicht sind die Leute noch nicht aufgeheizt genug,                    v i e l l e i c h t . . .

Nach einer anhaltenden Umbaupause ist das UT Connewitz mittlerweile proppenvoll. Die Bühne hat sich im Gegensatz geleert. Im Zentrum steht ein Mikrofon auf einem Ständer. Links daneben aufwendig aufgebaute Tasteninstrumente, elektronische Effektgeräte und dergleichen. Alles ist hergerichtet für den Headliner des Abends. Vermutlich für die meisten der Grund gewesen im alten Kino vorbeizuschauen. Klavierklänge ertönen. Die Sängerin Eva betritt Barfuß die Bühne. Hier und da ein freudiges Aufschreien über das Erscheinen. Ungewohnter Anfang. Erinnert etwas an klassische Musik. Völlige Ruhe, die Stimme und das Klavier füllen diese auf.  Nach und nach mit jedem Song kommen synthetische Klänge dazu. Mehr Samples, mehr Beats, mehr Druck. Auf einmal durchdringt mich der Sound, den ich von diesem Duo gewohnt bin. Ich merke auch, dass in meinem Umkreis den Zuhörern es ähnlich geht. Immer mehr Visuals kommen auf dem schwarzen Hintergrund zum Vorschein – Versetzt zum Beat und gleichzeitig akzentuiert. Tolles Konzept! Es wird tanzbarer, aber nach nicht mal 40 min ist es vorbei. Irgendwie zu kurz meiner Meinung nach. Einerseits kann ich es verstehen, dass das Prinzip „weniger ist mehr“ am eindrucksvollsten ist, andererseits hinterließ das plötzliche Ende einen Freiraum, der gefüllt werden sollte. Auch bei diesem Konzert hab ich trotz positiver Emotionen nicht wirklich ins Gefühl kommen können dabei gewesen zu sein. Vielleicht war es wirklich zu kurz, vielleicht zu distanziert, v i e l l e i c h t . . .

Nun als die Konzerte vorbei waren, könnte man sich vorstellen, dass die Leute anlässlich des Geburtstages auch dementsprechend Lust hätten weiter zu tanzen. Das anschließende DJ-Team übernahm die verantwortungsvolle Aufgabe die Laune zu erhalten. Der Konzertraum ist nach wie vor voller Menschen, die nur darauf warteten musikalischen Input zu bekommen um ihre Beine bewegen zu können. Was jedoch im Anschluss hörbar war, klang eher nach einem lounge-ähnlichem Ausklingen. Werden so Geburtstage gefeiert? Nach und nach erst verstehe ich das Konzept von Grizzly: langsame ruhige Beats, die allmählich in tanzänliche Einlagen wechseln. Vielleicht nicht ganz der richtige Weg um eine bereits aufgeheizte Party weiterzuführen. Dennoch sah ich, dass verhältnismäßig viele nach wie vor auf der Tanzfläche unterhaltend bei einem Bier oder einer Mate sich rhythmisch zu bewegen versuchten, vielleicht auch nur weil sie schon Geld ausgegeben haben für diese Veranstaltung und doch noch Lust und Hoffnung hattenauf einen tanzbaren abend . . .  v i e l l e i c h t  . . . .Für mich hatte der Abend jedoch irgendwie sein Ende gefunden.

Gemischter Gefühle kehre ich Heim. An sich hat doch vieles gestimmt. Wenn ich den Text oben nochmal durchlese, dann war tatsächlich alles da: Tolle Location, Top Bandauswahl und ein perfekter Anlass. Jedoch vor Ort konnte ich mich nur schwer in das Konzept dieser Veranstaltung einfinden. Ich hatte das Gefühl als ob der Zusammenhang (der berühmte rote Faden) nicht ganz zum Vorschein kam. Jedes Mal wenn man gerade erst in Stimmung kam, wurde diese durch verschieden Aspekte unterbrochen.

Ich wünsche detektor.fm dennoch alles Gute. 3 Jahre souverän durchgezogenes Radioprogramm, das die Region und auch überregionale Hörer würdigen, ist ein ganzes Stück harter Arbeit. Ein Qualitätsstandart, der hoffentlich noch weitere Jahre bestehen bleibt und noch mehr Publikum erreicht. Happy Birthday!