Es ist 20:30. Seit einer halben Stunde läuft der Einlass aber der Bereich vor der Bühne im Jenaer Kassablanca will sich nicht so richtig füllen. Schade eigentlich, denn es ist Tourauftakt für Ira Atari und Willhelm Tell Me. Zwei Musicacts unterschiedlichster Natur und doch könnte  sich der Abend nicht perfekter musikalisch ergänzen.

Es ist 21:00 noch immer setzt der große Ansturm aus. Eigentlich untypisch für Jena. In dieser Stadt wimmelt es normalerweise nur vor musikdürstigen Studenten, die alles aufsaugen wie ein Schwamm, sobald es darum geht neue Bands kennenzulernen.

21:30 nun wird es voller. Vermutlich sind auch einige, die sich im Raucherbereich bis jetzt versteckt hatten auch vor die Bühne getreten und warten nur darauf, dass es anfängt. Pünktlich 1 Stunde und 43 Minuten nach dem Einlass geht Willhelm Tell Me auf die Bühne. Ein Band die schon in letzten 2 Jahren in der Deutschen Indie-Pop-Szene aufgesmischt hat. Für das verhältnismäßig junge Alter der Band  ist das was man hört alles andere als unerfahren. Diese Jungs sind technisch Meister an ihren Instrumenten. Es ist natürlich kein Indie, sondern 1A gut gemachte Pop-Musik. Jeder Ton sitzt, keine experimentellen Parts, es legt sich gut ins Ohr. Vermutlich ist das der Grund warum Willhelm Tell Me punkten. Auch das scheinbar träge Publikum an dem Abend lässt sich mehr und mehr zum tanzen animieren. Hier und da singt der eine oder andere eine Zeile mit. Verhaltene Distanz des Publikums zur Bühne. Umso stärker der Applaus. Insgesammt muss man es der Band schon lassen, sie wissen genau was sie machen und allen Voruteilen vorraus: sie machen es gern. Genau das spührt man.

An dieser Stelle muss ich jedoch meine Subjektivität zum Vorschein bringen und sagen, dass für meinen Geschmack die Musik zu rund ist. Es fehlt etwas an eigener Persöhnlichkeit. Wenn man es jedoch positiv sieht, dann ist das vielleicht auch ein Vorteil bei einem Konzert quasi ein Bündel an vergleichbaren Musiksphären in einer Band wiederzuentdecken. Wenn ein Song der Band auf der Tanzfläche gespielt wird, könnte ich meine Knie auch nicht still halten. Dafür ist diese Musik auch gemacht. Der Plan geht auf.

23:20 Kurze Raucherpause. Alle Stürmen in die Smoking-Area oder zur Bar. Kurzes Changeover und eine kleine, süße Frau betritt die Bühne. Doch was da aus den Boxen heraus kommt ist teilweise alles andere als klein. Es handelt sich hierbei um eine Zeitreise. 80′s-Pop ist vermutlich das Schlagwort. So viele Künstler die man heutzutage in diese Kategorie einstuft – Ira Atari kommt meiner Vorstellung davon am nächsten. Bei disen Synthie-Beats schlägt mein Synthie-Herz höher. Und obwohl sie an diesem Abend ganz allein auf der Bühne steht, füllt sie den großen Raum mit ihrer Person aus und der Funke springt über. Das Publikum tanzt, singt mit, springt und irgendwie schafft diese Frau eine intime Athmosphäre, dass man glaubt man kennt sich schon eine Weile. Die Energie, die in Ira Atari steckt überträgt sich direkt auf den Publikumsraum.

01:30 Es ist schon mächtig spät geworden. Nach kurzem Absacker-Tänzchen zum DJ-Set von den Veranstalter Stereopark-Agency gehe ich nach Hause. Mitgenommen habe ich eine Menge Lust. Lust auf Tanzen auch wenn meine Füße mich nur noch gerade noch so schaffen ins Bett zu bringen. Aber ich würde wieder hingehen. Wer von euch nicht dabei sein konnte darf sich die Shows heute Abend (23.11) im Werk 2 / Leipzig und morgen (24.11) im Lido / Berlin anschauen. Wenn ich könnte, würde ich es tun!