Klischees sind etwas feines! Frauen können nicht Auto fahren, Schwarze essen nur fritiertes Hühnchen und Gamer leben allein und isoliert vor Ihren Bildschirmen während sie mindestens einmal täglich Internetportale mit Schmuddelfilmchen aufsuchen um das intime Verlangen zu stillen und dem körperlichen Verfall vorzubeugen. Letzteres trifft in etwa auf mich zu wobei einmal noch untertrieben ist. Zum Glück finden einmal im Jahr Veranstaltungen wie die Gamescom statt, die Leuten wie mir erlauben, näher mit dem anderen Geschlecht in Kontakt zu treten.

Hostessen soweit das Auge reicht und Frauen die Shirts mit Aufdrucken wie „<html>tits</html>“ oder „I love Monsterkill“ tragen. In solch einer Umgebung schlägt das Gamerherz höher und man muss nicht erst 10 Bier trinken bevor man sich traut die nächstbeste Damen nach dem Weg zu fragen. Jetzt soll jedoch nicht der Eindruck entstehen, dass solcherlei Events die perfekten Partnerbörsen für das hungrige Gamergemüt sind. Leider lassen sich auch hier nur die wenigsten Weibchen mit fundiertem Spielewissen beeindrucken und Insidersprüche können oft missinterpretiert bis überhaupt nicht verstanden werden. Ich zumindest habe noch nie gehört das ein Kerl eine Dame ins Bett bekommen hat mit Sprüchen wie: Magst du Heavy Rain? Lass uns die Bettszene im zweiten Drittel des Spiels nachstellen! Du bist Madison Paige und ich bin Ethan Mars.

In erster Linie dient diese allgemeine Fleischbeschauung natürlich zur Promotion des jeweiligen Konsumgutes. Das angeworbene Objekt kann dabei so ziemlich alles sein: Vom Ego- Shooter über fliegende Rasierapparate bis zur Plastikmundharmonika wird so ziemlich alles beworben was sich nur irgendwie an die leichtgläubigen, meist minderjährigen Konsumenten bringen lässt. Überhaupt ist die Platzierung von Werbung der Hersteller oft intelligenter als man denkt und unterbewusst wird man zum Kauf von Bückware geradezu genötigt. Als Beispiel sollen hier die bereits oben genannten Hostessen dienen. Hostessen sind Frauen die in erster Linie nur des Geldes wegen an solchen Veranstaltungen teil nehmen und die ansässige Zielgruppe auf der  Straße nicht mal mit dem Arsch anschauen würden. Immer patroulierend vor ihrem jeweiligen Messestand drücken diese anschaulichen Wesen anderen unanschaulichen Wesen Flyer in die Hand, in denen man aufgefordert wird seine Niere zu verkaufen, an Medikamententests teilzunehmen oder russische Hausfrauen zu heiraten. Warum ich mich darüber aufrege? Schwer zu sagen, immerhin isst das Auge ja bekanntlich mit. Mir wärs jedoch lieber ich würde neue Videos, einzigartige Features oder ausgefallenes Merchandise sehen als immer nur halbnackte Peggie Bundys.

Zurück zu den weiblichen Besuchern. Hat man ernsthaft vor eine Lara Croft oder eine Ada Wong ins Bett zu kriegen gilt dasselbe wie im Krieg: Bereite dich vor und kenne das Schlachtfeld. Zu aller Erst sollte man das Objekt der Begierde näher definieren. Schließlich sollte die spätere Eroberung nicht so aussehen:

Man nehme die gesamte, weibliche Besucherschaft und ziehe schon mal 70% ab. Dies ist der Anteil der Damen, die mit Ihrem Freunden da sind und nur ab und zu mal neben dem Bügeleisen auch mal das Pad in die Hand nehmen. Von den restlichen 30% subtrahiert man den Anteil der Damen die noch minderjährig sind (10%) plus den Teil der unattraktiven Zockerweibchen(15%). Übrig bleiben die glorreichen, königlichen, begehrten 5%! Zur Veranschaulichung nochmal die ganze Rechnung:

Gut, die erste Hürde wäre genommen. Diese Rechnung lässt sich übrigens auf alle möglichen Großveranstaltung übertragen, die einzelnen Terme müssen nur entsprechend abgeändert werden. Bei der Cebit muss natürlich die Menge verheirateter Frauen abgezogen werden während bei der Venus natürlich die Anzahl gesunder, nicht- manisch-depressiver Frauen als Summe dienen sollte.

Als nächstes muss das äußere Erscheinungsbild dem weiblichen Verlangen angepasst werden. Hier sind wie, so oft, der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Mutige Aufreiser tragen Casual-Kleidung mit angedeuteten Nerdverweisen. Eine Resident- Eviluhr, Pacmansneaker oder gar ein eintätowierter Gamerscore, Hauptsache nicht zu offensichtlich. Sollte einem der Gott- bzw. Fast-Food gegebene Körperbau zu schaffen machen ist auch dies kein Problem, vorausgesetzt man hat neben dem Fett- auch ein Geldpolster. Kleine Accessoires wie aus Elfenbein gefertigte Manschettenknöpfe oder dem obligatorischen Goldzahn mit Zeldalogo lenken schnell von übermäßiger Korpulenz ab.

Also, ab auf die Messe. Zunächst sollte das Jagdrevier festgelegt werden. Hierbei sollte man um das Rollenspielgenre einen riesigen Bogen machen. Rollenspiele wie World of Warcraft oder Diablo fordern den Zocker auf, so viel Zeit wie möglich vor dem Computer zu verbringen. Ergo, wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Schlafmangel…und schon während wir wieder bei den abzuziehenden 15%! Schlaue Jäger gehen bei Casualgames auf Beutefang. Also ab zur nächsten „die SIMS“- Bühne oder zu Nintendo. Dort kommen weibliche Gamer in Schaaren hin und man kann sofort ins Gespräch kommen: „Nach dem Fitnessstudio mach ich immer noch ein kleines Workout auf dem Wii- Balanceboard.“ Oder: „Mein Simscharakter ist Chefarzt, mag Tiere und Kinder, spielt Gitarre und kocht gern thailändisch.“ Solche Aussagen schinden Eindruck und man entfacht sofort den ersten Dialog. Selbstverständlich gibt es noch andere Wege die Herzen der Damen zu gewinnen und wie bereits genannt: Kreativität ist der Schlüssel! Verteilt eingesackte T-Shirts mit eurer Telefonnummer, gebt ihr ein Kölsch an der Bar aus oder tut so als wärt ihr selbst Spiele- Entwickler und überredet sie zu Probeaufnahmen für das „Motion Capturing“ in eurem Hotelzimmer.

Wie Morpheus in Matrix schon sagte: „Ich kann dir nur die Tür zeigen, hindurchgehen musst du allein!“ Also, seit mutig. Strahlt Selbstbewusstsein aus, darauf stehen die Frauen und wer weiß…vielleicht wollen die Hostessen eines Tages ein Bild mit dir!