Pc-Games auf der Gamescom

PC-Games auf der Gamescom

Nachfolgend ein Gastbeitrag von Jan-Niklas Runge. Twitter: @JanNiklasRunge

Im Gegensatz zu der gefühlten Mehrheit der Besucher der diesjährigen Gamescom, empfand ich die Messe als durchaus gelungen, wenn man von den obligatorischen Schlangen und der Nichtbereitschaft zu einer mutigen Lösung wie einer 18+-Halle absieht. Im Vorfeld war ich ein bisschen besorgt, da ich als PC-Spieler einige Trends in der Spielebranche wie Versimplifizierung als sehr unbefriedigend erlebe.

Allerdings hat die gamescom 2010 allen Unkenrufen zum Trotz ein sehr starkes Bild der flexibelsten Spieleplattform, dem PC, gezeigt. Besonders spannend für PC-Spieler waren die Stände von Guild Wars 2, Star Wars: The Old Republic, Diablo III und der ESL.

Guild Wars 2 hat mich besonders überrascht. Im Vorfeld der Messe war noch relativ wenig bekannt über das Spiel, das sich selbst zum Ziel setzt, sowohl Hardcore-MMO-Spieler als auch Genre-Fremde anzusprechen. Guild Wars 2 will dabei die Stärken des Vorgängers, wie den Verzicht auf Abokosten und taktisch fordernde, zum Teil hervorragend geführte PvE-Missionen, in eine persistente Welt mit neuen Innovationen versetzen.

Einen Vorgeschmack konnte ich mir dabei sowohl während der 40-minütigen, spielbaren Demo, die zumindest aus Sicht der Fraktion der Menschen de facto das Tutorial und die darauffolgenden Minuten darstellten dürfte, als auch während der Live-Demo von ArenaNet holen.

Insbesondere die “Events” genannten dynamischen Mehrspieler-Missionen, die in der offenen Welt stattfinden, haben mich fasziniert. Sie werden ausgelöst, wenn Spieler ein entsprechendes Gebiet betreten, zum Beispiel einen Bauernhof. Dieser könnte dann von Monstern überrannt werden und auf den Bildschirmen derjenigen Spieler, die sich in der Nähe befinden, erscheint ein Balken, der symbolisiert, wieviele Monster noch bis zum erfolgreichen Abschließen der Mission erledigt werden müssen. Auch kann es Nebenziele, wie das Löschen von brennenden Strohballen, geben. Der Clou ist, dass alle Spieler in dem Gebiet, ob gruppiert oder nicht, teilnehmen können und so eine Belohnung erwarten dürfen. Veteranen kennen das System aus Warhammer Online. In der spielbaren Version waren dies die einzigen Quests, die ich gefunden habe, der Fokus scheint demnach wesentlich stärker auf diesem System zu liegen als noch bei dem Spiel von BioWare Mythic.

Bemerkenswert ist ebenfalls, dass es ein Wiederbelebungssystem à la Left 4 Dead gibt. Sinkt die Lebensenergie auf 0, liegt der Charakter auf dem Boden und kann aus einer kleinen Menge an Attacken auswählen, mit denen er weiter Schaden zufügen kann. Gelingt es dem Helden daraufhin, einen Gegner auszuschalten, kann er wieder aufstehen und ist dem Tod entkommen. Während dieser Zeit und auch nach dem Ableben kann jeder Mitspieler einem wieder auf Beine helfen, ganz im Sinne des genannten Ego-Shooters. Sollte alles versagen, belebt man sich an vordefinierten Punkten in der Welt wieder.

Beide Systeme sind meiner Meinung nach schöne Beispiele dafür, dass ArenaNet auf dem besten Weg ist, das Genre der Online-Rollenspiele gehörig aufzuwirbeln.

Die Live-Demo bei YouTube (nicht von mir gefilmt)

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[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=yTI3QomzkKM&hd=1]

Ganz im Gegensatz dazu steht die Demo von Star Wars: The Old Republic, die 15 Minuten lang spielbar war. BioWare erschafft ein klassisches Online-Rollenspiel im Stile eines EverQuest, das vermutlich der erste ernsthafte Mitbewerber zum Branchenriesen World of Warcraft werden dürfte, da BioWare sich ähnlich viel Zeit lassen kann wie die Entwickler-Legenden von Blizzard. Der Kniff des Spiels allerdings könnte die Nische etwas genauer definieren als es World of Warcraft für sich getan hat: Die volle Vertonung sämtlicher Dialoge und das Ziel, eine dem Namen BioWare gerecht werdende Geschichte zu erzählen, dürfte vielen Fans des Studios Hoffnung auf eine nicht versiegende Quelle großartiger Spielerlebnisse machen.

Diablo III ist auch in der (zur gamescom 2009 inhaltsgleichen) spielbaren Demo das, was alle erwarten: ein guter Grund, seine Freizeit im Jahre 2012, was im Moment das wahrscheinlichste Erscheinungsjahr ist, am PC zu verbringen. Bring das Spiel endlich raus, Blizzard!

Für Freunde der kompetitiven eSports-Szene und der Aushängeschilder StarCraft II, Quake Live und Counter-Strike (Source) waren die Stände der ESL ein großes Vergnügen. Es wurden sehr viele Spiele gezeigt und insbesondere bei Quake Live und StarCraft II ausgezeichnet kommentiert. In aller Regel gab es für jeden Interessierten einen Platz und man konnte ohne Anstehen im Sitzen die besten Spieler Europas und der Welt beim Kampf um hohe Preisgelder (Platz 1 StarCraft II: 5.000 US-Dollar) anfeuern und bestaunen. Selbst der Szene Fremde hatten dank der übersichtlichen Gestaltung und erklärender Kommentare eine Menge Freude an diesen Ständen. Bei der ESL können sämtliche Spiele im Nachhinein (noch einmal) betrachtet werden. Nicht ganz so gut wie live, aber immernoch großartig.

Alles in allem bietet die gamescom auch für reine PC-Spieler viel Vergnügen, auch wenn es viele kleine und große Probleme gibt, die eindeutig nach so vielen Jahren der Spiele-Messen in Deutschland endlich behoben werden sollten, namentlich Lautstärke und Schlangen vor allen Spielen ab 16 und 18.