Resident Evil hat sich für viele langjährige Fans der Serie zu einem sinkenden Schiff entwickelt. Viele kritische Stimmen werfen der Serie die Vernachlässigung der essentiellen Werte der Serie zugunsten von Massentauglichkeit vor. Die Demo zu Resident Evil 6 bedeutet demnach wohl einen weiteren Schuss ins Kontor.

Resident Evil ist eine dieser Serien, die am besten vor einigen Jahren schon hätte eingestellt werden sollen. Eine Serie, die sich über Jahre hinweg eine treue Fanbase aufgebaut hat, um diesen dann systematisch zu enttäuschen. Capcom ist dafür bekannt, erfolgreiche Marken bis ins Unermessliche zu Melken, und dass dieses Schicksal nicht immer förderlich ist, beweist nicht zuletzt Resident Evil. Neben einer ganzen Reihe von halbgaren Spin-Offs in Form von Rail-Shootern, Handheld-Umsetzungen oder dem Koop-Shooter Operation Raccoon City, geriet auch die Kernserie immer mehr in die Kritik. Wo Resident Evil 4 noch als der neue Messias der Zombie-Spiele angesehen wurde, merkten die Fans spätestens bei Resident Evil 5 wo lang der Zombie läuft. Denn die Untoten wurden immer schneller und zahlreicher, die Action immer bombastischer und die Level immer heller. Vom Survival Horror des Ursprungs der Reihe ist erschreckend wenig übrig geblieben.

Die Kampagne von Leon S. Kennedy wird sich mehr an älteren Resident Evil-Teilen orientieren.

Die Kampagne von Leon S. Kennedy wird sich mehr an älteren Resident Evil-Teilen orientieren.

Nun soll Resident Evil 6 am 2. Oktober erscheinen und erste Anzeichen lassen vermuten, dass Capcom Entwicklung in Richtig Action-Shooter weiter vorantreibt. Exklusiv für Käufer des Action-Rollenspiels Dragon’s Dogma veröffentlichte Capcom außerhalb Deutschlands eine Demo zu Resident Evil 6, in der bereits Abschnitte aller drei Kampagnen spielbar waren. So werden in Resident Evil 6 mehrere Teams aus einem Protagonisten mitsamt Sidekick spielbar sein – die beiden Resident Evil-Veteranen Leon S. Kennedy und Chris Redfield sowie Serien-Neuling Jake Muller. Dieser hat allerdings eine enge Verbindung zu DEM Bösewicht der Serie Albert Wesker – Er ist sein Sohn. Dabei unterscheiden sich die Kampagnen nicht nur durch ihre Protagonisten sondern auch durch die Athmosphäre und das Gameplay.

In Resident Evil 6 wird es verschiedene Arten Zombies geben. Das "C-Virus" lässt Zombies teilweise einen großen Anteil ihrer Intelligenz.

In Resident Evil 6 wird es verschiedene Arten Zombies geben. Das “C-Virus” lässt Zombies teilweise einen großen Anteil ihrer Intelligenz.

Das Ziel der Entwickler ist klar: Es soll für jeden etwas dabei sein. Resident Evil 6 soll die maximale Aufmerksamkeit erzeugen, die Zielgruppe verfielfachen und sowohl alte als auch neue Resident Evil-Fans zusammenführen. Während die Kampagne von Leon S. Kennedy mehr auf alte Tugenden setzt, verkörpert Chris Redfield das “neue” Resident Evil. Und Jake? Tja, der ist irgendwo dazwischen. Während Leon in einer Universität unterwegs ist, die von der Athmosphäre an das Herrenhaus aus dem ersten Teil erinnert, kämpft sich Chris über die Dächer einer chinesichen Großstadt. Wo Leon mit einigen wenigen Patronen auskommen muss, feuert Chris Magazin nach Magazin in die Zombie-Mensch-Hybriden, die ebenfalls Waffen benutzen und sogar Munitionspäckchen fallen lassen. Von der Kampagne des Neulings Jake Muller hat man bis jetzt wenig gesehen. Die Demo bestand im Grunde nur aus einem Bosskampf, der nicht viele Rückschlüsse auf die vollständige Kampagne zulässt. Die Anzahl der Gegner, der Munitionsvorrat und nicht zuletzt Jakes pseudo-coole Sprüche lassen aber eher auf ein Action-Ausrichtung schließen.

In der Demo konnte man erstmals den Serien-Neuling Jake Muller im Kampf gegen ein riesiges Monster namens "Ustanak" spielen.

In der Demo konnte man erstmals den Serien-Neuling Jake Muller im Kampf gegen ein riesiges Monster namens “Ustanak” spielen.

Schlussendlich lässt die Demo für mich größtenteils Enttäuschung zurück. Selbst Leons Part, der augenscheinlich für Fans der Serie konzipiert ist, wirkt lieblos und leidet unter Problemen wie unüberwindbaren Stühlen und Flipcharts, die einem den Weg versperren und den Spieler zwingen auch ja kein spontan hochflatterndes Papier zu verpassen. Hindernisse, die Videospiele eigentlich schon vor einigen Jahren überwunden haben. Die Kampagne von Chris macht es nicht besser, selbst gemessen am Action-Anspruch. Die Steuerung ist – obwohl man nun endlich im Laufen schießen kann – immer noch zu hakelig um wirklich ein Gears of War-ähnliches Feeling aufkommen zu lassen. Auch das ständige Drücken eines Buttons, um auf einen 30 cm hohen Vorsprung zu klettern nervt. Capcom wollte von allem etwas bieten, bleibt aber nicht konsequent genug. Tief im meinem Herzen hoffe ich, dass mich das fertige Spiel Lügen straft, im Moment sieht es aber danach aus, als ob Resident Evil 6 ungefähr so viel mit der Serie zu tun hat, wie die Filme von Paul W.S. Anderson.