Frankreich ist schon seit vielen Jahren als eine DER Heimatnationen elektronischer Popmusik bekannt. Daft Punk, Justice und Air dominieren das Erscheinungsbild der klischeehaft zwischen Baguette und Wein angesiedelten Republik im musikalischen Ausland.
Doch trotz aller alten Helden: Das Jahr 2014 steht kurz vor der Tür. Es ist also auch mal an der Zeit das Bild musique fabrique en france zu verändern.

Dieser Mission hat sich die in London geborene und nach Paris übergesiedelte Heloise angenommen. Als “Christine & The Queens” mischte sie seit 2011 erst die Chanson-Szene der Hauptstadt an der Seine auf. Inzwischen ist “CATQ”, so ihr selbstgewähltes Kürzel, in der Indiesphäre Frankreichs angekommen.

Das Spiel der Geschlechter ist bei ihre ein großes Thema. Ihre Inspiration findet CATQ im queeren Nachtleben der Unterwelt, in der sie regelmäßig gastiert. Die Anmutung und Grazie einer Dragqueen ist das Vorbild für Heloise Tanz und Erscheinen. Flächige Sounds wie zu den Hochzeiten von The Knife bilden den musikalischen Hintergrund der Arrangements und der klassische französische Volksliedgesang Chanson wirkt auch in den Gesangsstil mit rein. Ihre Texte sind Grenzgänger zwischen Französisch, Englisch und exotischen Sprachphrasen fernerer Länder. Anfang kommenden Jahres erscheint ihr neues Album und bis dahin tröstet die dieses Jahr erschiene EP “Nuit 17 a 52″.
Das besonders geschmackvolle Häppchen auf der Platte ist der Song “The Loving Cup”.
Den dazugehörigen Videoclip musst du gesehen haben.

In einem spannungsgeladenen Musikvideo begleiten wir einen jungen Franzosen auf seinem Weg durch das Pariser Nachtleben.
Wenn dir hier nun die typischen Burlesque Bilder à la Moulin Rouge und Pigalle im Kopf hast, müssen wir dich enttäuschen… du liegst falsch. Der Junge (gespielt vom französischen Jungdarsteller Alexis), auf dem unscheinbaren Hinterhof im Pariser Vorort, neigt eher zum Underground und damit bleibt sein Weg für uns Voyeure spannend. Wohin strebt er – nennen wir ihn Jean-Pierre – ohne seine Freunde, die er er skeptisch beäugt? Seine erste Station ist ein zwielichtiges Bad. Hier zieht sich Jean-Pierre um und zieht teilweise blank. Die Haare nach hinten gegelt und die Lippen rot geschminkt, streift er zurück in Richtung eines unscheinbaren Clubs.

Bei detektor.fm erzählt Maurice dir auch, wieso er dieses Video in der Woche ausgesucht hat.

Die Tür öffnet sich und wir tauchen in eine bis dahin nichtbekannte Welt. An dieser Stelle überschreitest du mit Jean-Pierre im Video die Grenze der Geschlechter, der Normen und Moral. Jetzt bist du im echten Paris. Im Club treffen wir auch auf Christine & The Queens, die mitten im Gewusel ihren Ohrwurm singt.Kaum sind wir im Club, ist die Nacht auch schon wieder vorbei. Eine letzte Zigarette und Jean-Pierre sinniert über die vergangenen Stunden. Und du? Was fragst du dich nun nach dem Video? Warum du noch immer in die stetig selbe Großraumdisko am Wochenende fährst und nicht endlich anfängst etwas ganz Besonderes erleben?

Man merkt sofort, dass Christine & The Queens den idealen Soundtrack dargestellt, um dich für kurze Zeit in eine andere Traumwelt zu hieven.