„It’s kind of bad here, actually.” wimmert Wendy (Michelle Williams) resignierend ins Telefon und hofft vergeblich auf Trost und Unterstützung. Als sie sich in ihrem schrottreifen Honda von Indiana nach Alaska aufmacht, ahnt sie nicht, wie fatal die Reise enden würde.

Mit ein paar Dollarscheinen in der Tasche und der treuen Hündin Lucy an ihrer Seite reist Wendy durch das Land auf der Suche nach einem Job. In einer deprimierenden, öden Kleinstadt irgendwo im Umland von Portland springt plötzlich das alte Auto nicht mehr an. Wendy und Lucy sitzen mitten im Nirgendwo fest.

 

Obdachlos und völlig pleite ist Wendy gezwungen, Hundefutter in einem Supermarkt zu klauen. Sie wird ertappt, angezeigt und in Gewahrsam genommen. Das löst eine tragische Kettenreaktion aus. Als sie nach mehreren Stunden Untersuchungshaft wieder freigelassen wird, ist Lucy spurlos verschwunden. Die junge Frau macht sich völlig verzweifelt auf die Suche nach dem geliebten Tier; was sich allerdings schon bald als reinste Pechsträhne erweist.

 

Wendy irrt durch verlassene Straßen, hängt überall Suchanzeigen auf  und ruft immer wieder beim örtlichen Tierheim an – ohne jeglichen Fortschritt. Das nervenzerrende Warten, die leeren Landschaften, die melancholische Ereignislosigkeit und die unerträgliche Stille wirken authentisch und erinnern teilweise an die wundervoll unprätentiösen Filme von Jim Jarmusch.

 

Im Prinzip ist „Wendy and Lucy“ wie „Into The Wild“ nur ohne die üblichen Glorifizierungen und Romantisierungen. Angenehm unspektakulär zeigt Drehbuchautorin und Regisseurin Kelly Reichardt in ihrem minimalistischen Außenseiterdrama aus dem Jahr 2008 das Bild des Kapitalismus und den harten Sturz von der gesellschaftlichen Erfolgsleiter.

 

„Wendy and Lucy“ ist ein zauberhafter, zurückhaltender, nachdenklicher und äußerst intensiver Film, der gänzlich auf musikalische Untermalung verzichtet. Ohne viel Dialog ist die Story um das Mädchen und ihren Hund schmerzlich vielsagend. Es gibt nur einsame Figuren in dieser Geschichte. Alle Protagonisten existieren völlig isoliert vor sich hin. Somit bleibt die einzig logische Schlussfolgerung des Dramas: Jeder stirbt für sich allein.

Hier gibt es den Trailer zum Film: