„Are you a dreamer?“ fragt ein Fremder den ebenfalls unbenannten Hauptprotagonisten (Wiley Wiggins). Ja, ist er – und das ist sein größtes Problem. Regisseur Richard Linklater porträtiert in dem 2001 erschienen Film „Waking Life“ einen jungen Mann, der es partout nicht schafft, aus einem Traum aufzuwachen.

Es gibt eine Handvoll Filme, die das Publikum aufgrund ihrer Einzigartigkeit nicht mehr loslassen. „Waking Life“ gehört aus mehreren Gründen dazu.

Angefangen damit, dass im gesamten Verlauf der Geschichte keinerlei Hintergrundinformationen zu den dargestellten Charakteren geliefert werden. Weder Name noch Herkunft oder Eigenschaften werden beleuchtet. Alle Protagonisten tauchen als unbekannte Gestalten aus dem Nichts auf und verschwinden wieder dorthin. Dieser Aspekt des Unwissens fesselt das Publikum und bietet viel Platz für Interpretationen.

Die Machart zeichnet den Spielfilm ebenfalls aus. Einen Traum filmisch umzusetzen, ist eine Herausforderung, die Fingerspitzengefühl und Einfallsreichtum erfordert. Linklater verwendet hierfür etliche außergewöhnliche Stilmittel und Elemente. Neben der atmosphärischen Optik, ist auch die Narrationsstruktur auffällig – die Szenen scheinen sich ohne erkennbaren Bezug aneinanderzureihen. Das Gefüge wird nur von der Hauptthematik des Films gestützt. Der Zuschauer hat vielmehr das Gefühl, ein Kunstwerk zu betrachten. Somit wird „Waking Life“ zu einem Filmerlebnis der besonderen Art.

So fesselnd wie die Story ist auch die Filmmusik. Ein eigens dafür verantwortliches Orchester gestaltet den Soundtrack ergreifend und mitreißend und sorgt somit für eine energische und abwechslungsreiche Untermalung der Szenen. Die einzelnen Stücke sind scheinbar wirr und chaotisch und passen aufgrund dieser Unruhe exakt in den Kontext von „Waking Life“.

Doch der wohl interessanteste Aspekt an dem Film sind die Philosophien, die nach und nach vermittelt werden. Da werden in Debatten, Argumentationen und Monologen pausenlos Weltanschauungen, Ideologien, Lebensweisheiten und individuelle Ansichten offenbart und diskutiert, bis der Zuschauer sich in den Ausführungen verliert. Dieser enorme Input sorgt dafür, dass ein jeder das Leben und das eigene Selbst zwangsläufig zu reflektieren versucht. Ein Film, der dermaßen zum Nachdenken und Austauschen anregt, ist durchaus eine Rarität.

Alles in allem ist „Waking Life“ ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht jeden Film in eine (Genre-)Schublade schieben kann und muss. Faszinierend für alle Träumer und die, die es noch werden wollen.

Hier gibt es den Trailer zum Film:

http://www.youtube.com/watch?v=LCi5O3pzRYw