„It’s time to wake up and be a man.“ verkündet ein  Brief, den der verlotterte aber talentierte Literaturstudent Jarle Klepp (Rolf Kristian Larsen) von einer jungen Frau erhält, mit der er vor ungefähr 8 Jahren einen One-Night-Stand hatte. Diese wurde damals schwanger, ohne Jarle etwas davon zu erzählen. Die Tatsache, dass er plötzlich ein Kind hat, ändert Jarles Leben grundlegend.

Völlig überfordert muss er nun eine ganze Woche auf seine Tochter Charlotte Isabel (Amina Eleonora Bergrem) aufpassen. Das gestaltet sich schwierig – vor allem weil Jarle sein von Partys, Alkohol und Sex geprägtes Studentenleben auf keinen Fall aufgeben möchte. Seine wichtigste Aufgabe besteht darin, eine Geburtstagsfeier für Lotte zu organisieren. Nebenbei muss er einen Artikel für die Lokalzeitung verfassen und seine On/Off-Beziehung regeln – Situationskomik ist also quasi vorprogrammiert. Ohne jegliches Feingefühl versucht Jarle, dem kleinen Mädchen seinen Lebensstil aufzuzwingen und merkt dabei nicht, dass Lotte sein Dasein viel mehr dominiert als er glauben möchte.

Auffällig ist das herrliche Schauspiel, das dem Zuschauer präsentiert wird. Mancher halbgare Hollywoodstar könnte sich von der Darbietung der norwegischen Akteure ein paar Scheiben abschneiden. Rolf Kristian Larsen ist in der Rolle von Jarle ein vollkommen glaubwürdiger Student, der seine Fähigkeiten und seine Intelligenz selbst unterschätzt und an der neuen Lebenssituation verzweifelt. Amina Eleonora Bergrem verkörpert den ungewollten Überraschungsgast namens Charlotte Isabel dermaßen bezaubernd, unschuldig und gleichzeitig so diszipliniert, dass man nur Bewunderung zollen kann. Auch alle anderen Charaktere werden wunderbar gespielt und passen tadellos in das Gefüge des Films, zu dem es übrigens eine Vorgeschichte mit selben Figuren gibt. „Der Mann, der Yngve liebte“ (Mannen som elsket Yngve) ist zwar thematisch und stimmungsmäßig „Ich reise allein“ so gar nicht ähnlich, jedoch nicht minder empfehlenswert.

Regisseur-Newcomer Stian Kristiansen schafft das, was Viele versuchen: eine Projektion des realen Lebens auf Leinwand zu bannen. Authentisch, charmant, zuckersüß und rührend. Ein perfekter Sonntagabendfilm á la Garden State.

Hier gibt es den Trailer zum Film: