„You don’t have to go out to enjoy a good flick at home.“ kriegt der gestresste, ausgelaugte Geschichtslehrer (Jake Gyllenhaal), der die meiste Zeit einsam in seiner leeren, trostlosen Wohnung verbringt, zu hören. Genervt fragt er nach einem Filmtipp. Obwohl die Antwort seines Kollegen scheinbar willkürlich ist, wird sie das Leben des Lehrers drastisch verändern.

 

Es gibt Filme, deren Handlung und Symbolik dermaßen unübersichtlich verflochten sind, dass nach dem Rezipieren ein Verlangen nach einer allumfassenden Erklärung entsteht. Bei manchen Werken existiert glücklicherweise tatsächlich eine solche lückenlose Aufarbeitung. Doch erst wenn ein Film genauso gut ohne wie mit Auflösung funktioniert, ist es ein Meisterwerk. Das ist bei Enemy definitiv der Fall.

 

Jake Gyllenhaal bewies schon mit Filmen wie Donnie Darko, dass er sich für die komplexen, geheimnisvollen Rollen in Psychothrillern eignet. Auch in dem spanisch-kanadischen Werk des Regisseurs Denis Villeneuve hätte es keine bessere Besetzung geben können. Die Geschichte basiert auf dem portugiesischen Roman Der Doppelgänger – Gyllenhaal übernimmt die Doppelrolle. Die Story ist simpel: Ein Geschichtslehrer sieht in einem Film einen Schauspieler, der genauso aussieht wie er und versucht, diesen ausfindig zu machen. Auf dieser Prämisse beruhen die nächsten etwa 1,5 Stunden. Doch was eventuell wie eine nichtssagende Story klingt, entwickelt sich ohne Umschweife zu einem der spannendsten Filme der letzten Jahre.

 

Bei Enemy stimmt einfach alles: Die Darsteller sind alle gleichsam in die Geschichte involviert und engagiert. Die Farben, Schnitte, Kamerafahrten und Einstellungen kreieren permanent eine bedrohliche und düstere Atmosphäre. Der minimalistische Musikeinsatz vermittelt ein klaustrophobisches Gefühl und hält die Spannung fortlaufend aufrecht. Durch die gewählten Settings, Farbfilter und Symbole erscheint die gezeigte Umgebung fremdartig und feindselig.

 

Selten gibt es dermaßen hypnotische Filme, bei denen eine Pause zwischendurch völlig ausgeschlossen ist. Villeneuve sagte selbst, dass er von Lynchs lebensfeindlichen und alptraumhaften Filmkreationen inspiriert wurde. Doch auch Kafka- und Cronenberg-Fans werden sich an diesem surrealen Werk erfreuen. Das Beste an Enemy ist das Ende (was nicht häufig bei Filmen vorkommt). Dieses ist – wie die ganze Geschichte – leise, gewaltig, verstörend und faszinierend zugleich.

 

Zusammen mit Wes Andersons Grand Budapest Hotel und James Gunns Guardians of the Galaxy zählt Denis Villeneuves Enemy zweifellos zu den besten Filmen des Jahres 2014 (obwohl er in der Öffentlichkeit etwas unterging). Wer anschließend an die Rezeption nach Antworten verlangt, erhält in diesem Video die komplette Aufschlüsselung der rätselhaften Geschichte.

Hier gibt es den Trailer zum Film: