„I could have been a Schopenhauer… a Dostoyevsky!“ lautet ein Satz aus Tschechows Stück „Onkel Wanja“, über den der entmutigte Schauspieler Paul Giamatti (Paul Giamatti) immer wieder stolpert. Er ist davon überzeugt, dass seine Gefühlswelt die Bühnenkarriere bedroht und trifft die radikale Entscheidung, seine Seele mit modernster Technik entnehmen zu lassen.

Das macht nicht nur den Kollegen sondern vor allem seiner Frau zu schaffen. Zeitgleich besorgt sich in Russland eine Verbrecherbande illegal Menschenseelen, um sie verfälscht und willkürlich weiterzuverkaufen. Es kommt, wie es kommen muss: Pauls Seele wird von dem Bandenmitglied Nina (Dina Korzun) gestohlen und einem russischen Soapsternchen mit mangelndem Talent implantiert. Paul beschließt, die Seele auf eigene Hand wiederzubeschaffen. Nina, die seine Schauspielkunst inzwischen kennen und lieben gelernt hat, zeigt Reue und hilft ihm dabei. Doch auch sie ist bereits durch Seelentransplantationen vorbelastet.

Sophie Barthes und Andrij Parekh präsentieren in dem 2009 erschienen Drama „Cold Souls“ auf eine angenehm simple Weise eine der wohl interessantesten Thematiken der Menschheit: die Frage nach dem, was eine Person einzigartig macht. Ist ein Mensch ohne Seele bloß eine leere Hülle? Würden ohne Seele unsere emotionalen Probleme schwinden und würden wir sie deshalb freiwillig weggeben? Diese und weitere Fragen werden in „Cold Souls“ aufgeworfen.

Der Film erinnert vereinzelt sehr an „Being John Malkovich“. Zum einen wegen der düsteren Stilmittel, der tragisch komischen Geschehnisse – vor allem aber weil der Hauptcharakter seinen realen Namen trägt und sich die Handlung dadurch in die Realität zu übertragen versucht.

Die Darstellung der korrupten russischen Betrüger ist eher klischeebehaftet: gefühlskalte, laute Businessmänner mit starkem Akzent. Die dunklen Machenschaften würden sich aber wohl in der Realität so ähnlich abspielen – wenn nicht in Russland, dann in einem anderen Land. Charmant ist die Darbietung von Paul Giamatti, der ganz und gar in seiner Unsicherheit, seiner Frustration und dem gesamten Lebensdilemma aufgeht. Mindestens genau so ansprechend ist der Filmsoundtrack, der zwar melancholisch und bewegend ist, ohne jedoch völlig gefühlsduselig und schnulzig daherzukommen.

Besonders sehenswert für diejenigen, die Charlie Kaufman Filme („Adaption“, „Synecdoche, New York“ etc.) mögen. Prädikat: gut fürs Seelenheil.

Hier gibt es den Trailer zum Film: