„I don’t know what to say!“ faucht Nancy Cowan (Kate Winslet) in die Kamera und lügt dem Zuschauer somit ins Gesicht. Mit seinem aktuellen Film „Carnage“ (zu deutsch: „Gott des Gemetzels“) liefert Roman Polanski ein hollywooduntypisch kontroverses, aufreibendes und eigensinniges Wortgefecht ab.

Man mag von dem umstrittenen Filmemacher halten, was wann will – eins kann man nicht abstreiten: seine Regiearbeit ist stets eigen und imposant. Alle vorurteilbehafteten Zuschauer sollten ihre Vorbehalte für eine Weile ablegen und sich vom verbalen Krieg überzeugen lassen.

Die Story ist simpel und eher sekundär – das, was im Gedächtnis bleibt, ist das bunte Dialogfeuerwerk, das unerwartet gezündet und im Sekundentakt abgefeuert wird. Dabei gibt es keine Seite, auf die man sich schlagen könnte – es herrscht anarchistische Konfusion. „Jeder gegen jeden“ könnte das Motto des Streitgesprächs lauten. Die Aussagen sind dabei so mehrdeutig und umfangreich, dass die Konversation nach und nach ein Eigenleben entwickelt und im wortreichen Feldzug gipfelt.

„Carnage“ ist eigentlich ein Theaterstück. Das wird auch im Film deutlich: über eine Stunde lang unterhalten sich vier Menschen in einem Zimmer. Für Manche wird das wahrscheinlich nicht genug sein. Kein Blut, keine nackten Tatsachen und keine großen Romanzen – nur Worte. Jedoch sind diese so gut gewählt, getimt, authentisch und so schön unpassend, dass man gezwungenermaßen gebannt zuhört und auf den nächsten Streitpunkt wartet.

Zur Besetzung kann man Folgendes sagen: John C. Reilly (als Michael Longsteet) hält sich leider im gesamten Filmverlauf eher zurück. Von ihm ist man eigentlich Besseres gewöhnt. Jodie Foster (als Penelope Longstreet) und Kate Winslet (als Nancy Cowan) wurden bereits für verschiedene Awards nominiert – teilweise gehen sie gegeneinander ins Rennen. Erstaunlich ist jedoch, das Christoph Waltz‘ (als Alan Cowan) Leistung bislang noch nirgends honoriert wurde. Jeder, der ihn für etwas übergehyped hielt (wie beispielsweise meine Wenigkeit), wird positiv überrascht sein. Der deutsche Darsteller läuft mit seiner Darbietung seinen amerikanischen Kollegen den Rang ab. Waltz hat nicht nur eine unausstehliche Rolle – er ist die Antipathie in Person und das mit so viel Sarkasmus und Desinteresse, dass er fast wieder liebenswürdig wirkt.

Sozialverhalten? Zivilisiertes Bürgertum? Regeln und Normen? Ethik und Moral? Vergesst es. Was man zu sehen bekommt, ist im Grude eine Gesellschaftssatire ohne Hemmungen. Geeignet für jeden Liebhaber des gepflegten Zynismus.

Hier gibt es den Trailer zum Film: