„Look! We’re inside a robot’s vagina!“ sagt Dean (Ryan Gosling) zu seiner Frau Cindy (Michelle Williams) als sie eine Themensuite des Motto-Hotels am Valentinstag betreten. Das „Zukunfts-“ Appartement wirkt kalt, hart, erdrückend und unbehaglich. Fast so, als hätten die Einrichter geahnt, in welche Richtung sich die Beziehung des jungen Ehepaares entwickeln würde.

Das gängige Muster eines Liebesfilms ist simpel: Junge trifft Mädchen (oder andersrum). Junge tut alles, um das Mädchen für sich zu gewinnen. Gemeinsam trotzen sie allen Widrigkeiten und sind letztendlich glücklich vereint. Doch was geschieht anschließend – wenn die anfänglichen Gefühle langsam verblassen und das Paar sich auseinander entwickelt? Wenn das Zusammensein kein Privileg mehr ist sondern nur noch eine lästige Pflicht? Dieser Frage geht der noch eher unbekannte Regisseur Derek Cianfrance in seinem 2010 erschienen Drama „Blue Valentine“ nach.

Passend zur Grundstimmung des Films wird das Ganze im tristen Vorort von New York inszeniert. Zu sehen sind zwei junge Menschen, deren Umgang miteinander die Frage aufwirft, wie sie überhaupt zueinander finden konnten und wieso sie sich diesem alltäglichen Leid aussetzen. Durch den gekonnten Einsatz von Parallelmontage wird jedoch im weiteren Verlauf die ganze Geschichte von Dean und Cindy offenbart. Von der zufälligen Begegnung, über zarte Annäherungsversuche und späteren innigen Zusammenhalt, bis hin zur kleinen romantischen Hochzeitszeremonie werden alle bedeutenden Etappen der Beziehung geschildert ohne dabei in Belanglosigkeit abzuschweifen. Durch den ständigen Wechsel von unterkühlter Gegenwart zu liebevoller Vergangenheit, möchte man die Hauptprotagonisten fast vor dem Unglück und Schmerz warnen, der sie erwartet. Doch ihre anfängliche Liebe ist so unschuldig und makellos, dass man einfach gern zusieht und insgeheim auf ein Happy End hofft.

Die Idee, zwischen den beiden Handlungssträngen tatsächlich eine jahrelange Drehpause einzulegen, um so eine noch realistischere Darstellung zu gewährleisten, musste Cianfrance aus finanziellen Gründen verwerfen. Dessen ungeachtet laufen Gosling und Williams in „Blue Valentine“ zur Höchstform auf und brillieren als selten überzeugendes Paar der Filmgeschichte. Vereinzelt ähnelt ihre psychologische Kriegsführung sogar dem kongenialen Schauspiel von Richard Burton und Liz Taylor in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“.

Insgesamt ist „Blue Valentine“ also ein Film, der dem Zuschauer durchaus etwas abverlangt und einen bittersüßen Beigeschmack hinterlässt. Ein Muss für alle, die am Ende von „Before Sunrise“ und „Before Sunset“ den Atem anhielten.

Hier gibt es den Trailer zum Film:

http://www.youtube.com/watch?v=sYgr_iGATB4