Paul hat sich für FIFA entschieden!

Pünktlich zum Saisonauftakt der Bundesliga haben es sich Konami und EA Sports nicht nehmen lassen ihre jeweiligen Updates der beliebten Fußballspiele auf der diesjährigen Gamescom in Köln der Fachpresse und den zahlreich erschienenen Besuchern zu zeigen. Seit das erste Winning Eleven in 1995 auf den Markt gekommen ist streitet sich Konamis Zugpferd mit dem Pendant von EA, abgesehen von einigen weniger bekannten Fußballsimulationen, um die Vorherrschaft in Sachen Rasenschach. Nachdem FIFA im letzten Jahr an der Konkurrenz vorbei gezogen ist, stellt sich nun mal wieder die Frage welcher der beiden sich selbst die Krone in Sachen Fußballsimulation aufsetzen darf. Schafft FIFA 11 es seinen Vorsprung weiter auszubauen oder kann PES 2011 mit den eingeführten Neuerungen zum Konter wie aus dem Lehrbuch ansetzen?

Aber rollen wir das Feld mal von hinten mit FIFA auf. Wie in den letzten Jahren sieht das Spiel nicht nur auf den ersten Blick visuell sehr gut aus. Die Gesichtszüge der Spieler sind in jeder Spielsituation alle samt gut animiert. Mit verzerrten Gesichtern kämpfen sie um den Ball und schreien ihre Freude nach einem erzielten Tor zusammen mit ihren Kameraden heraus. Das Bild an sich läuft bisweilen Ruckelfrei und um ein Kantenflimmern zu entdecken muss man schon etwas genauer hinsehen. Neu ist jedoch die Tatsache dass jedes Individuum laut EA die genaue Körpergröße und – gewicht and den Tag legt. Ein Novum welches unter anderem besonders auffällt, wenn man den argentinischen Dribbelkünstler Messi neben den langen und schlaksigen Peter Crouch stellt. Jedoch bleibt wieder einmal das altbekannte Problem der lieblos gestalteten Zuseher aber das ist ja mittlerweile Gang und Gebe. Am Sound wurde auch ein wenig geschraubt – die Fans peitschen ihre Mannschaft mit den typischen Schlachtgesängen nach vorne während ein neues Kommentatorenteam das Geschehen mit mehr oder weniger Herzblut das Geschehen von ihren Kabinen aus dokumentiert. Ein Feature, welches schon seit Jahren überfällig ist, da man sich mittlerweile schon an die alten Phrasen mehr als satt gehört hat. Da die Geräuschkulisse innerhalb der Messehallen recht hoch war und man so nicht immer alles 100%ig hören konnte, bleibt jedoch abzuwarten ob hier im Endeffekt ein Schritt nach vorne gemacht wurde oder nicht. Das Spiel an sich verläuft recht flüssig. Die Zweikämpfe zwischen den einzelnen Spieler sehen schön aus und machen aufgrund der gegebenen Vielfalt an Möglichkeiten diese zu gestalten auch dementsprechend Spaß. Aus einer Präsentation ließ sich noch heraus hören dass es in diesem Jahr auch einen neuen Torwart Modus geben wird in welcher man zum ersten mal in der Serie den Schlussmann präzise steuern soll. Ob dieser jedoch halten wird was zum Beispiel die Torwartlegende Andreas Köpke in einem Interview versprochen hat ist fraglich, einen frischen Wind in das angestaubte Modiarsenal von FIFA stellt es jedenfalls sicher dar. Zum Schluss ist uns dann noch eine Sache negativ aufgefallen – das rundum erneuerte Elfmeterschießen. Wie das ganze genau funktioniert haben wir auch noch nicht rausfinden können. Was man aber festhalten kann, ist dass man eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl braucht um den Cursor in einen bestimmten grünen Bereich des Balkens am unteren Bereich des Bildschirms zu bewegen um die Stärke des Schusses zu regeln und zur gleichen Zeit noch die Richtung des Balles bestimmen soll. Wie sonst kann man sich sonst erklären dass wir es sogar geschafft haben alle 10 Elfmeter entweder direkt in die Arme des Torhüters oder auf die oberen Ränge des Stadions zu ballern?

Kommen wir nun aber mal zur direkten Konkurrenz. Im Angesicht einer Replik des Champions League Pokals und einer übergroßen Darstellung eines bekannten argentinischen Dribbelwunders durften wir ausgiebig die aktuelle Version von PES wahlweise am PC, XBOX oder PS3 anspielen. Auch diese Variante des virtuellen Kicks lässt sich sehen da jeder Pixelfußballer seinem echten Pendant zum Verwechseln ähnlich sieht. Begleitet von den alten Bekannten Küpper und Fuß liefern sich die Sportler schweißtreibende Zweikämpfe um jeden Zentimeter und versuchen sich mit mehr oder weniger fairen Mitteln gegen ihren Gegenspieler durchzusetzen. Im direkten Vergleich zur Konkurrenz sieht dies zwar alles sehr flüssig jedoch nicht ganz so lebendig und von Zeit zu Zeit etwas hölzern aus. Liegt vielleicht aber auch daran dass Konami sich nicht hat lumpen lassen und über 1000 Bewegungsabläufe mittels Motion Capturing neu aufgenommen haben an die man sich eventuell erst einmal gewöhnen muss denn so ziemlich jede altbekannte Bewegung wurde verworfen und durch neue ersetzt. Ebenfalls gewöhnungbedürftig aber zu gleichen Zeit auch eine positive Neuerung ist das 360° Passsystem. Wo früher noch eine ungefähre Richtungsangabe beim Pass gereicht hat, muss man den rechten Stick nun schon verdammt genau kontrollieren um das künstliche Leder zu einem Mitspieler zu kicken. Leider fehlt das in FIFA schon längst etablierte 360° Laufsystem immer noch, womit sich die Spieler hier nur grob in acht verschiedene Richtungen bewegen lassen. Eine Anpassung wäre an dieser Stelle jedenfalls wünschenswert gewesen… Was an PES schon immer herausragend war, und in diesem Jahr auch wieder ist, ist das tiefgründige Taktiksystem. Neben all den ganzen anderen Taktikeinstellungen kann man nun zum ersten Mal in der Reihe  viele der Maßnahmen wie zum Beispiel einer Auswechslung der Spieler ganz einfach mittels Drag and Drop ausführen. Eine Neuerung welcher angesichts des Menüchaos vom letzten Jahr sehr positiv auffällt. Ein Wort zur Grafik sollte ich natürlich auch noch erwähnen. Hier zieht Pro Evo bis jetzt ganz klar den Kürzeren. Auch wenn die Spieler selber gut aussehen, fehlt es ihnen teilweise noch an Details wie beispielsweise die Stollen unter den Schuhen und die Zuseher sehen ebenfalls aus wie ein bunter Haufen Mokujins. Hinzu kommt auch noch die Tatsache dass das Spiel während der Slowmotionsequenzen nach Toren unter massivem Kantenflimmern leidet und die einzelnen Sportler teilweise noch recht schwammig dargestellt sind. Zum Sound lässt sich zum derzeitig Zeitpunkt leider noch nichts sagen, da Konami es nicht für nötig gehalten hat die Spiele mit Ton ablaufen zu lassen – extrem schwach! Insgesamt macht das Spiel jedoch einen grundsoliden Eindruck und macht wie immer nach einer kleinen Eingewöhnungsphase verdammt viel Spaß. Wie sonst soll man sich erklären dass ich mittlerweile auch schon wieder über 10 Partien auf dem Konto und die anderen Kollegen hier in der Truppe einer nach dem anderen zurück in die Umkleidekabine geschickt habe?

Vergleicht man beide Spiele zum derzeitigen Standpunkt miteinander hat wie im letzten Jahr immer noch EA’s Fußballsimulation leicht die Nase vorne da hier einfach das Gesamtpaket einen besseren Eindruck hinterlässt. Jedoch dauert ein Spiel 90 Minuten und bis zum Release am 8. Oktober bleibt somit auch noch ein wenig Zeit für Verbesserungen. Obwohl ich seit einigen Jahren ein großer Verfechter der PES-Reihe bin werde ich mir vor einem etwaigen Kauf noch mal ganz in Ruhe ansehen müssen was sich bis dahin tut und in der Zwischenzeit noch die ein oder andere gepflegte Runde PES 6 spielen und darauf hoffen, dass “Seabass” Takatsuka vielleicht doch zurück zu seinen Wurzeln findet. Wer es nicht abwarten kann hat hier nochmal die Möglichkeit sich die aktuellen Trailer von FIFA und PES anzusehen, viel Spaß.

Cheers, Mel