Lange war das Musikvideo eine große Spielwiese für junge Filmemacher und Talente.            Das Genre lies besser als jedes andere Format Freiräume offen für neue Techniken. Erzählweisen, Schnitte, Design und Tempo konnten experimentell verknüpft und ausprobiert werden. Musik und Bild bildeten eine Einheit und wuchsen zu einem Gesamtkunstwerk zusammen, das dem Film wertvolle Inspiration lieferte. Vorbei sind die Goldenen 90ér, die Blütezeit des Musikvideoclips mit seinen zahlreichen Musiksendern und Musikvideo-TV-Shows, das dem Genre die notwendige Plattform zwischen Produzenten und Musikliebhaber lieferte. Fast beiläufig wurde der Musikclip zum wichtigen Werbetrailer für Musiker und Musikindustrie.

Mit der Krise in der Musikindustrie und dem Wandel des TV-Konsumverhaltens brachen die wichtigsten Musik-TV-Sender und auch das Budget für die Finanzierung der Musikclips zusammen. Das Format wurde seiner Plattform entzogen und musste auf CD Beilagen umziehen um den Reality Shows, Cartoons und Mainstream Clips Platz zu machen. Die einstiege vielfältige Musik-TV-Landschaft mit ihren zahlreichen Musikformaten und Sendern wie dem hochverehrten VIVA 2, die mit ihren Moderatoren Markus Kavka, Charlotte Roche und Herbert Sinko beim Musikvideoliebhaber zum TV Ereignis avancierten, indem sie auch dem Alternativen Musikvideoclip eine Lounge boten und mit vielen nerdigen Ideen präsentiert wurden. Die großen Musikfilmemacher des Genres wie z.B. Floria Sigismondi, Anton Corbijn und Michel Gondry hat es unterdessen in die Filmindustrie getrieben und ihre Perlen des Äthetischen-Musik-Fernsehsens auf DVD Boxen in die Bibliotheken.

Im Netz wuchsen unterdessen die TV Formate und Channels, welche die Musikindustrie versäumte auszubauen. Die sich bei den Usern großer Beliebtheit erfreuen. Der Online Videokonsum hat seither stetig zugenommen. Einer Bitkom Studie zufolge, schauen die Deutschen am Tag mind. 8 Videos im Internet an. Auf Platz 1 liegt hier Youtube mit 70% .          Wobei Nachrichtenformate auf Platz 1 liegen, gefolgt von „Comedy“ und Musikvideos.             Der Musikkonsum über die Videoplattform Youtube ist demnach 3x so hoch wie über legale Downloads.

Die Preislich erschwinglichen Technischen Geräte und die einfach zu handhabenden Webchannels machen es hier dem Internet User einfach, selbst zum Produzenten und Moderatoren zu werden. Die Fülle an Möglichkeiten bringt damit bedauerlicherweise auch eine unüberschaubare Masse an Schrott mit sich, der allenfalls für den Girftschrank taugt. Leider lässt der Mangel einer qualifizierten Redaktion und wissenden Moderatoren einem das Musik-TV- Ereignis hier oft sehr vermiesen, von den Urheberrechtsstreitigkeiten an dieser Stelle ganz zu schweigen.

Unterdessen locken allerorts die Film-, Kurzfilm- & Animationsfilmfestivals Massen an Filmliebhabern in die Open Air und Filmtheater. Das Genre des Musikvideos kommt auch hier deutlich zu kurz. Eine Gruppe geprägter Musikvideonerds will dies nun ändern und veranstaltet im April die „1.Berlin Music Awards“ im neuen Szenelokal der Villa Neukölln. Die eingereichten Musikvideoclips werden dem Musik-Clip-Lover auf Augen und Ohren gepresst.

An 5 Tagen wird neben Live Musik, Vjing & DJ´s, einen Haufen exklusiver Musikvideoclips in angenehmer als auch einzigartiger Location präsentiert.Das Screening versteht sich allerdings auch als Netzwerktreff für Musiker, Filmmacher, Labels und Interessierte. Gekrönt wird die Reihe von einer Finalen Premierenparty in der, der Gewinner mit einem Berlin-Musik-Award prämiert wird.   Die hochkarätige Jury wird hier u.a. von Hanin Elias der Frontfrau von Atari Teenage Riot besetzt sein.

 Das Live Interview in der POP10 Sendung mit den Veranstaltern findet ihr hier:

http://www.youtube.com/watch?v=nup_36kdyks