Unaufgeregter, aber dennoch intensiver Elektropop – das ist Helmut aus Berlin. Als Solo-Künstler schafft er es mit Hilfe seines Loop-Pedals, eingängige Songs mit Band-Sound zu kreieren. Bei seinen Live-Auftritten bringt er mit seiner Musik die Luft im Saal gehörig zum knistern. Wir haben den Musiker bei einem Konzert des Musikkombinats im Magdeburger Oli-Kino getroffen.

 

Helmut, du heißt ja eigentlich gar nicht Helmut, das ist dein Künstlername. Eigentlich heißt du Adrian, ist das richtig?

Ihr könnt mich Adrian nennen.

Und wie kam es, dass du dich Helmut genannt hast?

Das ist die Helmut-Frage, die wird nicht beantwortet werden.

Gibt’s da nicht irgendeine Geschichte zu?

Doch, tausend. Aber das sprengt jetzt den Rahmen.

2012 hast du deine erste EP rausgebracht, „HELMUT EP“, 2014 dein erstes Album „Polymono“. Dafür hast du einige Songs in Kanada geschrieben, kannst du uns mehr dazu erzählen, warum du dort warst?

Ich bin dahin gegangen, um weg zu sein von der ganzen Ablenkung in Berlin, weil nach so ein paar Jahren in Neukölln, ziehen alle bisher kennengelernten Leute in Berlin nach Neukölln. Und es war richtig schwer, da zum Arbeiten zu kommen. Nach Kanada bin ich gegangen, um allein zu sein. Ich war im Winter da und das ist eine ziemlich asoziale Zeit in Montreal. Und deshalb hatte ich viel wenig Ablenkung und konnte da Musik machen.

2014 ist schon eine Weile her. Ist da schon ein neues Album in Arbeit?

Ja, und ich hoffe, ich bringe es nächstes Jahr heraus. Aber so genau weiß man das ja leider nie.

Du hattest schon früh mit Musik zu tun, du hattest Unterricht in klassischer Gitarre. Wie kam es, dass du die Musik machst, die du jetzt machst?

Das ist schwierig zu sagen, wann die Musik nicht mehr die Gleiche war. Damit, eigene Musik zu machen, hab ich relativ früh angefangen. Also daran Gefallen zu finden, Akkordfolgen zu spielen und tausendfach zu wiederholen, und daher kam dann auch der Loop. Ich hatte eigentlich immer mehr Lust, Bandmusik zu machen, ich höre auch eher Bandmusik. Das Loop-Pedal ermöglicht mir, irgendwie mehr einen Band-Sound-Scape zu schaffen, was ich einfach nur mit einem Instrument und Gesang nicht so hinbekommen würde, glaube ich.

Du verwendest bei deinen Auftritten eine Loop-Station. Was für eine Rolle spielt diese beim Songschreiben?

Also gerade auf dem neuen Album, was gerade in Arbeit ist, ist es ein bisschen weniger vom Loop-Pedal ausgehend, weil ich Lust hatte, offen zu lassen, wie ich das dann live umsetze. Ich hatte Lust ein Studio-Album zu machen, das auch als solches funktioniert. Bei „Polymono“, meinem ersten Album ging es mir im Studio noch viel darum, dass es der Live-Show vom Arrangement her nahe war. Es gibt keine achtminütigen Tracks, aber der Aufbau der Songs hält immer noch relativ konkret an dem fest, was ich live gemacht hab. Zu „Polymono“-Zeiten wollte ich beim Songschreiben den Loop finden, der auf Dauer Spaß macht. Meistens war es ein Instrumental-Jam, bei dem ich am Ende immer Dinge auf meinem Pedal gespeichert hab. Und wenn die mir am nächsten Tag beim Anhören noch gefallen haben, hab ich daran weiter gearbeitet. Texte kamen immer erst später dazu und sind auch eigentlich immer eher der Melodie gefolgt.

Hast du Hauptmotive zum Textschreiben?

Der Anfang von Texten entsteht bei Jams, wo ich Nonsens singe. Aber in dem Nonsens finden sich dann meistens ein paar Zeilen, und wenn die zu mir sprechen, denke ich darüber nach. Ich formuliere das um und elaboriere darüber ein bisschen länger, um einen Text zu schreiben. Die Themen ergeben sich eher aus einem unbewussten Prozess heraus.

Wann hast du gemerkt, dass du die Musik, die du machst veröffentlichen willst? Ist da jemand auf dich zugekommen, weil er dich gehört hat?

Beides. Es war klar, dass ich meine Musik in irgendeiner Form veröffentlichen möchte. Auch um Leute kennen zu lernen, die Musik machen. Ich hab viel in Bars gespielt in Berlin und auch selbst Events organisiert, wo ich Freunde eingeladen hab. Das lief unter dem Namen „HELMUT shows off his skilled friends“ – weil Talent ein blödes Wort ist, es geht eigentlich um Skills. Und bei so einem Event war dann zufällig ein Freund von mir mit einem Management zugange. Der war dann auf meiner Show und hat mich für die nächsten zwei Jahre gemanagt und mich mit meinem Label zusammengebracht.

Inwiefern setzt du auf Plattformen wie Spotify oder Soundcloud, wo man seine Songs veröffentlichen kann, damit man bekannter wird?

Ich würde jetzt nicht, denken, dass man dadurch, dass man etwas auf Soundcloud oder Spotify hat, bekannt wird. Da muss man sich marketingmäßig schon noch ein bisschen mehr einfallen lassen. Aber klar, mir ist es schon wichtig, dass alle Leute das relativ schwellenlos hören können, wenn sie Lust haben, meine Musik auszuchecken. Ich habe mein Album in gesamter Länge auf Soundcloud und Bandcamp, man kann es sich überall gratis anhören.

Hast du irgendwelche musikalischen Vorbilder? Und inspirieren diese dich auch für deine eigene Musik?

Inspiration ist schwierig zu planen, finde ich. Mich berührt auch zufällig etwas, wenn ich an irgendetwas gerate oder auf einem Konzert von jemandem bin, von dem ich noch gar nichts erwartet hatte. Und wenn da jemand auf der Bühne ist, der das mit Herzblut oder Überzeugung macht, dann spricht das zu mir und inspiriert mich. Aber auch bei anderer Kunst und anderen Formen von Ausdruck ist das so. Es gibt ein paar Namen, die lange in meiner Audiothek dabei geblieben sind. Aber es ist nicht so, dass ich später mal so sein will, wie diese Person.

Hörst du privat auch viel Musik von anderen Künstlern?

Es kommt immer auf den Zeitabschnitt an. In letzter Zeit habe ich viel am nächsten Album gearbeitet. In solchen Zeiträumen versuche ich wenig aktuelle Musik zu hören. Das hat sonst einfach zu großen Einfluss und deswegen versuch ich das in dem Moment fernzuhalten. Ich hab immer so Phasen, wo ich mich informiere, was gerade so angesagt ist. Aber ich bin schon eher so einigen wenigen Künstlern treu.