Super Meat Boy

Super Meat Boy

Das Wort “Super” stellt  einen Sachverhalt als dem Durchschnitt überlegen dar. Als sozialisierter digital spielender Mensch ist dieser Begriff seit wunderbaren “Super Nintendo-Zeiten” (hell yeah!) festgelegt im eigenen Repertoir und Verständnis.

Super Meat Boy traut sich nach langer Abstinenz der ganzen Super(s) seit den goldenen 90ern das selbsternannte Präfix aus der Mottenkiste zu holen.  Mit kommerziellem Erfolg sogar, der zeigt, dass die neue Spielergeneration keine Angst vor echten Herausforderungen hat.

Das Alles natürlich nicht ohne Grund, bei genauerer Betrachtung ist Super Meat Boy ein Stück Geschichte im modernen Gewand.  Eine Hommage an alte Zeiten, in denen Spiele noch zu Wutausbrüchen und Verzweiflungstaten führten, gleichzeitig sogar ein leichtes Augenzwinkern in Richtung der simplen Spielmechaniken seiner Urväter und auch der neuen Welle an zugänglichen Casual-Games.

Was Meat Boy aber besonders gut kann ist unterhalten und zum verhaltenen Lachen bringen, denn der Sarkasmus und der Umgang mit Mord, Zerstörung, Genozid und auch der Liebe ist ein lieblicher aber konsequenter Tritt in das menschliche Zentrum des guten Geschmacks und der Moral.

Ein Fleischjunge zum selber bauen!

Ein Fleischjunge zum selber basteln!

Meat Boy selbst ist nicht besonders schlau oder stark, doch hat er ohne Frage eine unermeßliche Zuneigung zu Bandage Girl, passenderweise das Einzige was seine hautlose Oberfläche vervollständigen kann. Diese Zuneigung und der Wille sie zu befreien treibt ihn von einem Tod in den Nächsten und nur der Automatismus ist sein statischer Freund und Verbündeter. Davon abgesehen ist alles Auftauchende gegen Meatboy, eine feindlichere Umgebung als die Szenarien und Level seiner Heimat sind kaum vorstellbar.  Meat Boy ist ja aber fast grenzenlos unbedarft, als auch in allen Lagen konstant und genau diese Eigenschaften führen zum Neid von Dr. Fetus, der in seinem eigenen Streben nach Macht und Vollkommenheit nie an die Gelassenheit des Fleischjungens herankommen kann und dieses Wissen mit Aggression zu verarbeiten versucht.

Eine tief berührende Geschichte, in einem anderen Gewand sicher auch deutlicher sichtbarer, doch in dem Vorhandenen ganz nah dran an den großen Vorbildern wie Samus, Simon oder natürlich auch Mario. Keine Aufschneider und auch keine Philosophen braucht der Spielende zur Identifikation, sondern lediglich eine Hülle, die immer weiterkämpft und im Begriff ist Wünsche und Träume des Steuernden aufzusaugen. “Schwammboy” wäre für diese Theorie sicher der bessere Titel gewesen, aber Fleisch und Blut tun es auch.