TOKImonsta

TOKImonsta

Kennt ihr das Gefühl, wenn man jemanden zum ersten Mal sieht, den man vorher nur durch seine Stimme kannte? Vielleicht habt ihr euren Lieblingsradiomoderator getroffen oder den Synchronsprecher eures Lieblingsschauspielers.  In meinem Fall kannte ich noch nicht einmal eine Stimme – ich kannte nur ihre Musik.

Was heißt “ihre”, zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht einmal das es eine “sie” ist. Ich hörte diesen Sound und dachte mir: “Was wird das wohl für eine Person sein, die solche Musik macht?”. Wenn ich ehrlich bin, konnte ich mir noch nicht einmal ein Bild von ihr machen aber ich wusste wie sie wohl auf keinen Fall aussehen würde. Ungefähr so wie die Frau, die auf dem Bild über diesem Artikel ist. Nur ist die Frau auf dem Bild genau die, über die ich spreche: Jennifer Lee alias TOKImonsta.

Vielleicht bekam ich einen falschen Eindruck von TOKImonsta, da ich als ersten ihrer Songs, das Theme von Mileena vom neuen Mortal Kombat hörte. Düsterer kann Musik wahrscheinlich kaum sein. Tiefster Wobble-Bass, ein Insektenartiger Lead, der etwas von einem Zahnarztbohrer und einer Horde Wespen hat und dazu ein Dubstep-Beat, der den Anschein macht, als möchte er einem gleich die Fresse einschlagen. Eben genau das richtige Theme für Mileena, die Prinzessin der Dunkelheit, Schöne und Biest zugleich, der persönliche Kettenhund von Shao Khan, dem Herrscher der Outworld. Ja, ich rede von Mortal Kombat, der Franchise, die 1992 mit zu den ersten Spielen gehörte, die Diskussionen um Gewalt in Videospielen aufkommen ließ.

Ob es TOKImonstas persänlicher Wunsch war, das Theme für Mileena zu gestalten, werde ich wohl nie erfahren. Dennoch scheint es nicht zufällig zu sein, das es zwischen der Figur Mileena und der Figur TOKImonsta eine eigenartige Analogie gibt. In Los Angeles geboren und aufgewachsen, hatte Jennifer Lee immer Probleme damit, als vollwertiger Amerikaner akzeptiert zu werden. Noch heute wird sie von vielen als Japanerin abgestempelt, obwohl sie in Amerika geboren und aufgewachsen ist und ihre Wurzeln in Korea liegen. Wohl um mit dieser Rolle zurechtzukommen, belegte sie auf der Highschool einen Japanischkurs. Da ihre Lehrerin Mutter von KeyKool, Rapper und Labelbesitzer war, kam Jennifer in den Unterrichtsstunden oft in Verbindung mit den musikalischen Einflüssen der Hip Hop Kultur. Von der Musik begeistert, fing sie an Beats zu produzieren und bei Beat Battles anzutreten, die allerdings stark von Männern dominiert wurden. Ihr unschuldiges, fast schon puppenartiges Äußeres machte es ihr zusätzlich schwer, in einer Subkultur, in der Respekt aus Stärke resultiert, ernst genommen zu werden. Ihre Musik sprach allerdings für sich. Was Jennifer Lee an Stärke und Überzeugungskraft fehlte, drückte sie mit TOKImonsta aus. Auch ihr Künstlername drückt diesen Konflikt aus. Der Konflikt zwischen Unschuld und Laster, zwischen Gut und Böse, Zwischen dem koreanischen Wort für Kaninchen und einer Bestie.

TOKImonsta hat verschiedene Seiten. Hört man ihre Musik, transportiert sie aber deutlich mehr als Schwarz und Weiß. Quer durch verschiedenste Stile eletronischer Musik, von Hip Hop und Trip Hop, über Dubstep bis hin zu minimalistischen Elektrobeats, probiert sie immer wieder, neue Facetten an sich zu entdecken. So lässt sie des öfteren verschiedene Stile wie Jazz oder Soul mit in ihre ruhigeren Stücke einfließen, nur um im nächsten Track wieder mit einem düsteren Dubstep Brett um die Ecke zu kommen.

TOKImonsta hat mich jedenfalls überrascht. Sowohl äußerlich als auch musikalisch und auch hier kann ich wieder nur die parallele zu Mortal Kombat ziehen. Mileena ist wahrscheinlich das sexuell anziehendste was Mortal Kombat zu bieten hat, aber nur bis sie ihren Schleier lüftet, denn was sich darunter befindet, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Hier der Link zum Blog von TOKImonsta

Hier der Link zu mehr Songs von TOKImonsta