Herbst – Es ist diesig draußen. Mal ein Unendliche-Geschichte-Nebel, mal ein horizontaler Regenguss, der sich von Woche zu Woche verschleppt und kein Ende nehmen will, mal der erste Schneematsch vor der Tür. Es ist denkbar ungemütlich zurzeit.

Und da passiert es, dass wir in unserer klar durchmathematisierten Welt auf einmal wieder romantisch werden. Wir wollen Wärme, Kerzenschein, am liebsten ein Kaminfeuer und einen lieben Menschen um uns herum. Kuscheln und Kitsch-Konsum. Dazu ein wenig Bon Iver lauschen und über Gott und das Dasein philosophieren. Zuletzt noch ein bisschen der Herbstdepression fröhnen. Nun ja, ganz so schlimm ist es vielleicht noch nicht.  Aber wie kann das sein, dass uns dieses Gesülze jedes Jahr aufs Neue einfängt, wo wir uns doch sonst so gut im Griff haben?

Ehrlich gesagt: Ich finde es gar nicht so schlimm. Es ist gut, eine Jahreszeit zu haben, die die Menschen wieder näher zusammenrücken lässt, die das Nachsinnen und den Blick nach innen ein wenig anschupst. Und traurig sein ist ja auch mal ok. Wann nehmen wir uns denn sonst noch die Zeit, auch mal die dunklere Seite in uns herauszulassen, wenn nicht in dieser kalten Jahreszeit? Denn das ist die andere Seite neben der Kuscheligkeit, die dieser Herbst uns bietet: die düstere und melancholische Seite. Im Sommer ist alles unbeschwert und blumig. Es ist förmlich verboten, zwischen all den freudig strahlenden Sonnengesichtern auch mal so etwas wie Melancholie herauszulassen. Herr Novalis und Herr Caspar David Friedrich haben es schon vor Jahrhunderten gewusst. Der Mensch hat nun einmal auch seine dunkle und romantische Seite.

Musik hilft uns dabei, unsere Gefühle nach außen zu kanalisieren. The XX zählen zu den wenigen, die sich auch in der schwitzigen Sommerzeit immer schon getraut haben, mal den melancholischen Mund aufzumachen. Und die lieben Menschen der Band Balthazar düdeln uns mit ihrem aktuellen Album und schönem Kling Klang in den nasskalten Herbstabend.

The Man Who Owns the Place

Die Spitze der Düsternis erreichen in vollster Blüte natürlich Crystal Castles, die kürzlich ihr drittes Album III veröffentlicht haben. Dieses kommt in in typisch schwarzer Electromelancholie daher. Die aktuellen deutschen Tour-Termine sind zum Teil schon ausverkauft.

Soviel zum aktuellen musikalischen Schlechtwetterbericht. Wer Regen übrigens mag, dem sei folgende Seite empfohlen: http://www.rainymood.com/ Dazu kann man parallel übrigens prima Musik hören – mit Romantik-Effekt und so. Musik kann uns also diese dunkle Jahreszeit ein bisschen versüßen. Und mal ehrlich: Genau die ist immerhin noch die allerbeste WG-Party-Saison.

In der Pop10 Studioshow gabs auch nochmal Ausführliches zum Thema:

Alle Videos findet ihr auch auf unserem Musicplayr-Profil als praktische Playlist: Der Soundtrack zum Herbstgrau (Pop10Live@musicplayr).