Es war ein Abend voller Verheißung: The Reflektors formerly known as Arcade Fire stellen im Berliner Astra auf einem not-so-secret-gig ihr aktuelles Album vor. Die Tickets für das exklusive Konzert waren binnen Sekunden ausverkauft und gingen zuletzt für das zehnfache des eigentlichen Kartenpreises über den virtuellen Ladentisch. Wer nun Besitzer eines raren Tickets war, durfte eine Show sondergleichen erleben.

Hier kannst du alle Musikvideos von Arcade Fire ansehen – präsentiert von Pop10 Non Stop.

Der Dresscode verlangte ein elegantes Abendoutfit oder eine anderweitige Verkleidung. Was die Götter aus Montréal befehlen, wird selbstredend getan. Etliche Jünger der Indie-Art-Rock Band drängeln sich überpünktlich in paillettenbestickten Abendkleidern oder im Smoking, Einlass erwartend, auf dem schäbigen RAW-Gelände in Friedrichshain.

Im kostümierten Pulk macht sich Unruhe bemerkbar während eine weiße Limousine am Ende des sporadisch ausgerollten roten Teppichs vorfährt. Unter großen Pappmaché-Köpfen posieren die Kanadier händewinkend und verschwinden daraufhin im Blitzlichtgewitter Richtung Eingang, gefolgt von einer grinsenden Mariachi Band sowie den ersten 100 Arcade Fire-Anhängern – denn der Einlass ins discoide Mekka erfolgt heute in kleinen Etappen. Unterhalten werden die ersten Ankömmlinge schließlich durch verkleidete Statisten sowie einem Choreographen im Skelett-Anzug. Letzter bringt den ersten Reihen bereits einen amateurhaften Tanz bei, den es bis zu We exist zu merken gilt.

Nach zwei stündigem Warten verdunkelt sich endlich der Saal und unter den Klängen des Über-Hits My Body is a Cage, begeben sich die Musiker an ihre jeweiligen Plätze, die an diesem Abend keine festgelegten sind. Die Show, hier wirklich im Sinne einer grandiosen Darbietung als bloß eines schnöden Konzertes zu verstehen, beginnt mit Reflektor, dem titelgebenden Track der Platte. Der exzessive Pop des aktuellen Albums, versehen mit Glockenspiel und Südsee-Trommeln, ist auf das erste Hören zwar weniger zugänglich als die Vorgänger, doch nicht weniger juckt es im Glitzer-Stiletto bekleideten Tanzbein, als das Reggae-Dub angehauchte Flashbulb Eyes ertönt.

Die hohe Relevanz Arcade Fires lässt sich neben diversen Kollaborationen sowie Seiten-Projekten wohl ebenfalls darauf zurückführen, dass sie jeglichem Selbstzitat absprechen und sich dabei permanent neu inszenieren. An diesem Abend dürfen Fans ebenso Songs der ersten Platte wie Neighborhood #3 (Power Out) sowie Sprawl II des Grammy-ausgezeichneten Albums The Suburbs lautstark zelebrieren.

The Reflektors aka Arcade Fire bleiben mit der neuen Platte Everybody’s Indie Darling. Da sich der hünenhafte Frontmann anfangs gewohnt wortkarg gibt, weiß man nicht wo die Person Butler anfängt und die Bühnenfigur aufhört. Zwischen grellen Discolichtern und silbern glitzernden Girlanden, die es sonst nur noch in holzvertäfelten Partykellern geben mag, performen sie We exist oder Joan of Arc unter einer obszön großen Discokugel vor dem nun schweißtriefenden Publikum.

Win Butler und seine Frau Régine Chassagne lassen Pop, Disco, Voodoo und Rockstartum zum Konglomerat The Reflektors verschmelzen, das Fans (diesen Abend ist auch Casper unter ihnen) sowie Kritiker vorfreudig auf den gestrigen Abend fast einnässen lies.

Zum Abschluss stülpt sich Butler noch ein letztes Mal den überdimensionalen Pappmaché-Kopf über und performt Uncontrollable Urge, ein Cover der amerikanischen Band DEVO, ihres Zeichen selbst Künstler der Selbstinszenierung. Bevor sie für die kurze Zugabe mit den Songs ihres Debüts, Haiti und Wake Up das Publikum final in den noch jungen Abend entlassen, ertönt Here Comes The Night Time.

Ein Finale wie es im Buche steht: In einer Welle aus Menschenmasse wird man nach vorne gedrückt, wo Butler in das Publikum springt und Hände schüttelt. Konfettikanonen schießen silbrige Fetzten und weißen Rauch in die Massen – und ehe man sich versieht ist auch die Zugabe vorbei und es bleibt nur zu warten, bis sie nächstes Jahr wieder Halt in Deutschland machen.