Photo by Robin Holzbach

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Das erste Mal ist was ganz Besonderes! Man hat Angst, will nicht enttäuschen, weiß nicht was einen erwartet oder was danach wohl kommen mag! Jeder erlebt es anders und verarbeitet es anders! Auch ich will euch heute von meinem ersten Mal erzählen – meinem ersten Mal Musikvideodrehen!

Bevor ich euch von einem meiner ersten Male erzähle, möchte ich diese Rubrik noch mal kurz erläutern! Das ERSTE MAL, egal was, ist immer etwas Besonderes! Darüber kann man ewig lachen, sich ewig für schämen oder ewig drauf stolz sein! Man kann das erste Mal auf Klo eingeschlafen sein, die Socken zu heiß gewaschen haben, sich von Pudding übergeben, oder seinen Bruder mit dem Ex verwechseln. Es gibt 10000000 mal x Dinge, die man das erste Mal macht. Erste Male bleiben im Kopf, an die erinnert man sich noch wenn man 100 ist, man erzählt seinen Enkelkindern von ihnen und an ihnen vergleicht man alles was folgt! Da ich keine Enkelkinder habe, werde ich von nun an euch erzählen, wie es mir bei meinen ersten Malen so ergangen ist. Vorschau? Gibt es nicht, denn ich weiß doch heute noch nicht, was mir morgen das erste Mal passieren wird! Wie dem auch sei, willkommen zu meinem ersten “Ersten Mal”!

Erste Mal NO. 1: Musikvideo

Das erste Mal, von dem ich euch heute erzähle war sehr schön, aber es war auch sehr schmerzhaft (für fast alle Beteiligte). Es passierte recht spontan, dennoch waren wir sehr gut vorbereitet! Wir wussten nicht so recht auf was wir uns einlassen würden und was am Ende entstehen wird, aber der Versuch war es wert! Es hat sich gut angefühlt und ich würde es jeder Zeit wieder tun :-) Doch wie kam es denn jetzt dazu?

Susi bereitet sich vor
Photo by Robin Holzbach

Beim Videodreh für “Disco”. Susi bereitet sich auf ihren Einsatz vor!

Wisst ihr, seit nun über 2 Jahren studiere ich was mit Medien und vom ersten Tag an habe ich davon geträumt, etwas zu machen, worauf ich auch noch stolz sein kann, wenn ich keine Zähne und ne künstliche Hüfte habe. Wenn man schon 3 Jahre seines Lebens immer in ein und dieselbe Hütte rennt um sich dort an den Gedankenergüssen anderer zu erfreuen, dann soll man wenigstens auch was mit in die Zukunft nehmen. Soll ja nicht umsonst gewesen sein. Oder wenn ich schon nichts auf die Beine stelle, was einen Eintrag ins Buch der Stadt bekommt, dann sollte man sich wenigstens an mich erinnern! Diesen Wunsch haben übrigens viele, das kann man in ihren Augen sehen! Ich jedenfalls habe es dann während des Studiums mit vielen Dingen versucht um den Leuten im Gedächtnis kleben zu bleiben: ich habe 4 Semester lang immer die selben Fragen gestellt, immer die gleiche Fresse gezogen, immer das gleiche Parfüm getragen und nur selten meinen Haarschnitt verändert! Hat allet nichts jebracht! Nee, mal im Ernst…

Es ist nicht einfach in einer Welt wie dieser unsterblich zu werden!

Es ist nicht einfach in einer Welt wie dieser unsterblich zu werden, also habe ich diesen Plan wieder verworfen. Stattdessen bin ich wieder auf die Anfangsidee zurück gekommen und wollte mir mal beweisen, was ich denn kann oder nicht kann.

Die Einrichtung, an der ich studiere, gibt einem dafür auch recht viele Möglichkeiten. Man kann Webseiten erstellen, Parties organisieren, Ausstellungen vorbereiten, Zeitungsartikel schreiben und Dokumentarfilme drehen. Ist alles ganz nett, aber irgendwie nicht so richtig meins (sage ich jetzt so im Nachhinein). Ich mag Musik, sehr sogar. Bin in die Richtung zwar nicht so talentiert, aber was nicht ist kann ja noch werden. Jedenfalls hatte ich mich gefragt, ob ich aus meinem Interesse zur Musik heraus nicht was machen kann, was zwar mit Musik zu tun hat, wo man diese aber nicht zwangsläufig selber machen muss. Was ich mit meinem Studium verbinden kann und was ein gewisses Level von Können und Nichtkönnen verlangt. Genau! Ein Musikvideo! Die Idee war also geboren, musste sie nur noch umgesetzt werden.

Statisten rufen Disco
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Statistendreh: alle rufen DISCO!

Ich hatte noch nie ne Band, aber ich glaube es muss schon ein ziemlich geiles Gefühl sein, wenn man sein erstes Musikvideo dreht! V-I-D-E-O, das klingt schon so, keine Ahnung wie! Wer nen Video hat, kann seine Musik besser präsentieren, kann leichter entdeckt werden und besser in den Köpfen hängen bleiben. Für eine Band ist das echt was Tolles! Aber schon mal an die gedacht, die so was produzieren? Ja! So in etwa lautet mein Gedankengang!

Uns wurde im 5. Semester das Projekt Spielfilm angeboten. Erfreulicher Weise hatten sie da auch schnell 3 Hände voll begeisterter Menschen für gefunden. Doch 15 Finger waren einem Octopus zu wenig und somit wurde das Projekt noch vor seiner Geburt begraben! Als Alternative konnte man nun was Alternatives machen… Wie blöd! Wir kamen um zu filmen, kreativ zu sein und zu lernen! Nicht um auf Dinge auszuweichen, die keiner machen will, aber gemacht werden mussten! Nicht mit mir! In einem Moment tiefster Enttäuschung und Trauer schoss mir die Idee mit dem Musikvideo wieder ins Gehirn und zum ersten Mal sprach ich sie laut aus (man bemerke hier: ERSTES MAL!). Tatsächlich ließen sich dafür auch schnell Anhänger finden, zwar keine 15 aber immerhin 5, mit mir waren wir 6 und Mickey Mouse hat auch nur 8 Finger! Die Logik an diesem Satz mag vielen jetzt vielleicht nicht ganz bewusst sein, aber was ich damit sagen will ist, dass ich es nicht verstanden hatte, warum ein Spielfilm mit 15 Leuten nicht funktionieren kann. Wir waren jetzt nur zu sechst, was sogar für ein Musikvideo recht wenig ist, aber wenn man etwas machen will, dann macht man es auch, egal ob man dafür angeblich unterbesetzt ist!

Videocrew

Photo by Robin Holzbach

Im Bild: 4 von 6 Mitgliedern des Drehstabs beim Auswerten der Szene

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Hier im Bild: die anderen zwei Damen vom Drehstab :)

So, obwohl die Crew stand, war noch nicht so ganz sicher, ob wir den wirklich tätig werden sollten! So läuft das übrigens oft vor dem ersten Mal! Man will die Sache reifen lassen, abwarten und nichts überstürzen. Um unser erste Mal perfekt zu machen, brauchten wir natürlich eine perfekte Band. Potenzielle Anwärter gab es dafür so einige. Mein Favorit war von Anfang an die Band, für die wir uns dann am Ende auch entschieden hatten: Cindy Ciser aus Magdeburg. Ich kannte die beiden Sänger (ein Sänger und eine Sängerin) schon so ein bisschen und als ich dann den Sänger mal zufällig beim Shoppen getroffen hatte, ergriff ich die Gelegenheit und unterrichtet ihn von unserer Idee. Es hat dann auch gar nicht lange gedauert, bis bei uns die Begeisterung seitens der Band ankam, ein Musikvideo zu machen (an dieser Stelle sollte man noch mal festhalten, dass jede Band, der man ein Musikvideo für Umme anbietet, schön blöd wäre, wenn sie dieses Angebot ablehnen würde). Trotzdem freute ich mich über die Zusage der Band. Nun musste auch noch der Rest von der Videocrew überzeugt werden, denn es waren ja auch noch andere Bands im Rennen!

Nach zahlreichen Treffen und Privatkonzerten im Proberaum hatte Cindy Ciser dann aber doch auch den Rest der Gemeinde überzeugt :-) Diese Treffen fand ich immer besonders spannend, denn ich glaube das war das erste Mal, dass ne Band nur so für uns gespielt hat!

Band war gefunden, aber jetzt ging der Stress erst richtig los! Das schöne am Medium Musikvideo ist ja, dass man alles machen kann, wirklich alles! Ich habe hier mal zwei Beispiele für euch:

1. Beispiel: Ok Go! Für diese Band werden Videos gemacht, die definitiv im Gedächtnis bleiben!

http://www.youtube.com/watch?v=YZCg1IMe5Yc&feature=related

2. Beispiel: 1000 Robota - Er sagt. Bei dem Video hat man es sich besonders einfach gemacht und einfach mal 4 Minuten lang ne Schnecke gefilt, die über nen Kopp kriecht. Vielleicht ist das ja schwer, ich weiß es nicht, aber sonderlich kreativ finde ich das nicht!

http://www.youtube.com/watch?v=gPedlXWbbnA

3. Beispiel: Crystal Castles – Not in love! Das Video ist in meinen Augen die Krönung der Kreativitätslosigkeit. Aber vielleicht ist es genau das, was man von dem Video denken soll…

http://www.youtube.com/watch?v=32udqal_lyQ

Das letzte Beispiel ist das absolute Gegenteil von dem, was wir uns vorgestellt hatten. Da wir ja ursprünglich einen Spielfilm drehen wollten, war es uns wichtig ein Lied zu nehmen, durch das sich auch eine Geschichte erzählen lässt. (eigentlich kann man ja zu jedem Lied eine Geschichte erzählen, unabhängig von Text und Melodie, aber dennoch ist an dieser Stelle damals eine Diskussion entstanden). Irgendwie konnten wir uns dann doch recht schnell auf ein Lied einigen: DISCO! Der Name ist Programm ;-) Es geht schlicht und einfach um Disco! Ich habe mich neulich in einem Interview etwas falsch ausgedrückt. Ich habe gesagt, dass das Lied an für sich inhaltlich nicht viel zu bieten hat. Das habe ich so tatsächlich nicht gemeint! Was ich eigentlich sagen wollte, ist dass der Text keine verzwickte Liebesgeschichte oder Tragiekomödie erzählt, sondern an für sich leicht verständlich und einfach ist.

Synthesizer Maxim und seine Freundin Lilly vor dem Dreh einer Knutschszene

Photo by Robin Holzbach

Synthesizer Maxim und seine Freundin Lilly vor dem Dreh einer Knutschszene

Doch nur weil der Text einfach erscheinen mag, heißt das noch lange nicht, dass er nichts aussagt! Nach unserer Interpretation sagt das Lied Disco so unheimlich viel aus, dass im Endeffekt ein Drehbuch entstanden ist, dass kaum komplexer hätte sein können. Um euch nicht länger auf die Folter spannen zu müssen, hier eine kleine Zusammenfassung in 3 Sätzen:

Im Video  DISCO gibt es einen Außenseiter, der gerne feiern gehen möchte. Frohen Mutes zieht er los, doch der Abend verläuft nicht wie geplant: der Arme wird nirgends reingelassen, da er nicht in das Bild des Partypublikums passt. Traurig läuft er durch die Straßen und findet plötzlich einen Flyer von Cindy Ciser, der seinen Abend retten wird!

Fotoshooting mit der Band für den Flyer aus dem Video

Fotoshootingmit der Band für den Flyer aus dem Video

Nach insgesamt mehr als 15h Brainstorming, Haare-raufen, Lachen und fast Weinen war das Drehbuch tatsächlich in Sack und Tüten und der Dreh konnte geplant werden. Wir brauchten Tänzer, Statisten, Klopapier, Catering, Technik und vor allem Kohle! Klar, wir wollten ein Low-Budget-Video machen, aber Low-Budet heißt nicht gleich Low-Budget. Da das Drehbuch eigentlich erst 3 Wochen vor Drehbeginn fertig war und wir damals auch noch kurz vor Weihnachten standen, konnten wir uns leider um keinerlei Sponsoren kümmern. Die hatten alle schon Ferien und wir hatten damals auch noch die Ruhe weg. Irgendwann, so ca. 1,5 Wochen vor Drehbeginn ist uns dann aber bewusst geworden, dass wir doch noch unbedingt Geld brauchten. In einer Hau-Ruck-Aktion vom allerfeinsten haben wir alles auf 2 Karten gesetzt und die Partie gewonnen!!! Was ich damit sagen will: wir haben innerhalb von 4 Tagen doch noch genug Geld von Sponsoren ran bekommen und konnten uns nun die Technik leisten, mit der wir unbedingt drehen wollten!

Photo bei Robin Holzbach

Unsere beiden Kamerafrauen Tanja und Marie mit dem sogenannten RIG (Schulterauflage für die Kamera)

Wir haben das komplette Video mit einer netten kleinen Spiegelreflexkamera gedreht, die durch das RIG zu beindruckender Größe angewachsen war. Dadurch wirkten wir noch professioneller als wir so oder so schon waren :-) (Der Genauigkeit halber möchte ich sagen, dass wir auf einer Canon 5D gedreht haben).

Am 14. Januar war es dann auch endlich soweit! An insgesamt 3 Drehtagen, haben wir gedreht was das Zeug hält! Am Freitag haben wir im Café Central und am Hasselbachplatz in Magdeburg gedreht. Am Samstag ging es ins Projekt 7. Dort wurden wir sehr gut vom Team des Projekts unterstützt und ohne sie wäre einiges nicht gegangen! Am Sonntag kamen dann die ganzen Statisten dazu, das war Party pur und seit dem Tag weiß ich, wie man sich als Animateur auf Malle fühlt!

Seit dem Dreh mit den Statisten, weiß ich, wie man sich als Animateur auf Malle fühlt!

Der gesamte Dreh war für alle eine einmalige Erfahrung, die verdammt stressig, anstrengend, kräfte- und nervenzerreißend war, aber auch verdammt viel Spaß gemacht hat. Ich persönlich habe an diesen insgesamt 3 Tagen so gut wie keinen Schlaf bekommen, musste nie pullern und das Essen habe ich auch vergessen (nur um mal zu zeigen, wie stressig es war).

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Sänger Daniel singt in die Kamera

Seit nun insgesamt einer Woche sitzen wir im Schnitt und können verkünden, dass das Video kurz vor seiner Fertigstellung steht. Der genaue Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest, aber wenn ihr immer fleißig Pop10 guckt, dürftet ihr eigentlich nichts verpassen! Für alle die es noch nicht gesehen haben, gibt es hier noch mal die erste Version eines kleinen Making Ofs:

http://www.youtube.com/watch?v=o0Ua2bG8NA4

Abschließend möchte ich noch sagen, dass das wirklich ein tolles erstes Mal war! Sicher wird das Ergebnis nicht jedem gefallen, das ist dann eben Geschmackssache. Ich jedenfalls bin stolz wie ein kleiner Keks! Ich glaube nun, dass ich aus diesem Studium was mit in die Zukunft nehmen werde und sei es nur die Erkenntnis, dass Disco viel mehr ist als einfach nur DISCO! Also: Keep on Partying!

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