Almut Klotz war Sängerin, Autorin, Bar- und Labelbetreiberin, Feministin und Chorleiterin. Mit 51 Jahren ist sie nun in Berlin gestorben. Eine kleine Erinnerung.

Es war Anfang Mai 2006. Im Magdeburger Mikrokosmos sollte eine besondere Lesung stattfinden. Almut Klotz hatte sich angesagt, wollte zusammen mit Reverend Christian Dabeler aus beider trotzig hartem Romandebüt „Aus dem Leben des Manuel Zorn“ lesen, einer Kritik am scheinbar allgemeingültigen großstädtischen Lebensentwurf.

Musikvideo: “Keine Zeit” von KLotz & Dabeler

Almut war mir zu diesem Zeitpunkt bereits seit vielen Jahren eine gute Gesellschaft, nicht selten gar die beste, ob beim hören ihrer Platten zusammen mit den Lassie Singers oder dem Popchor Berlin, beim singen eines ihrer Lieder oder auf einem ihrer tollen Konzerte. In einer gerechteren Welt wären die Lassie Singers Popstars gewesen und nicht nur Kritikerlieblinge. Zusammen mit Christiane Rösinger und wechselnden, aber immer illustren, Musikerfreunden schenkte sie einer neuen Generation einen ganzen Sack voll unzickiger deutscher Popmusik und erbarmungsloser Ohrwürmer.

Dieser Maienabend 2006 sollte dann ob seiner besonderen Intimität auch ein ganz besonderer werden.

Dieser Maienabend 2006 sollte dann ob seiner besonderen Intimität auch ein ganz besonderer werden. Almut und Christian erwiesen sich als entwaffnend sympathische und unkomplizierte Menschen, die man am liebsten auf der Stelle weg für „seinen Freundeskreis annektieren“ wollte. Herzlich und charmant, wie man selten jemanden trifft. Ich erwarb an diesem Abend eine Ausgabe ihres Romans. Als ich später trotz meines Engagements als Schallplattenunterhalter für diesen Abend mein Bier selbst bezahlte, sprach mich Almut auf meine Beweggründe an.

Ich erklärte es mit dem leider recht zurückhaltenden Besucheransturms und Rücksichtnahme auf die folglich maue Abendkasse. Almut meinte daraufhin, dass ich dann aber auch nicht ihr Buch bezahlen solle, gab mir den Kaufpreis zurück und ließ sich davon auch nicht mehr abbringen. Nicht nur dieser Geste wegen wurde es ein großartiger Abend, besonders nachdem ich endlich meine Scheu gegenüber diesen beiden tollen Menschen ablegen konnte und das Herzklopfen sich gelegt hatte.

Den Bierdeckel mit beider Mailadresse besitze ich heute noch.

Den Bierdeckel mit beider Mailadresse besitze ich heute noch. Der Abend gipfelte dann übrigens noch in einem Freundestreffen, nachdem die am gleichen Abend in der Factory auftretenden Sterne den beiden einen Besuch abstatteten. Wir tranken und rauchten, redeten viel und kamen dabei von Arschbacken auf Kuchen backen.
Diese Erinnerung ist mir nun ständig gegenwärtig, da Almut nun nicht mehr da ist. Sie ist Ende August ihrem Krebsleiden erlegen, gegen das sie drei Jahre lang gekämpft hat. Dem Vernehmen nach hatte sie sich mit ihrem Schicksal abgefunden, sich ihre verbleibende Zeit von dieser scheiß Krankheit nicht dominieren lassen.
Sie hat weiter gesungen und geschrieben, und sie hat ihren Christian geheiratet.

Die Veröffentlichung des gemeinsamen Albums „Lass die Lady rein“ hat sie nur um wenige Tage verpasst. Der Dreckskrebs war schneller als erwartet, die Tour zum Album war doch schon geplant. Almut Klotz fehlt sehr, ihrem Sohn, ihrem Mann Christian, der Popmusik, welcher sie mit ihren klugen unprätentiösen und angenehm unmodischen Liedern so oft vor dem Ersaufen im faulen Deutschpopsumpf gerettet hat, und mir… auch wegen solch kleiner Erinnerungen.

P.S. Das Album „Lass die Lady rein“ ist gerade bei Staatsakt erschienen und auch ich hoffe, dass viele von denen, die sich gerade jetzt an Almut erinnern, sich dieses Album kaufen. „Und ich weiß das Du Dich über jeden Menschen gefreut hättest, der “Lass die Lady rein” zuhause oder in der Kneipe hört. Dafür haben wir die ganze Arbeit ja überhaupt erst auf uns genommen.“ (Staatsakt)

Auch “Byte.FM” erinnert an Almut Klotz