Cansei de Ser Sexy galten in den letzten Jahren als der musikalisch aufregendste Export vom südamerikanischen Kontinent. In dieser Woche erscheint das dritte Album der brasilianischen Glitzer-Combo, die bereits mit Gwen Stefani als Vorband touren durfte. Wirkt sich eine derartige Professionalisierung auch auf das neue Album aus?

Diese Frage kann man nur bejahen, denn der Status als Everybody’s Darling der Fachpresse zu Zeiten des ersten, selbstbetitelten Albums verblasst so langsam. Der Zweitling Donkey gefiel schon weniger, und leider muss man feststellen, dass das am Freitag in Deutschland erscheinende dritte Album La Liberacíon noch weiter an Qualität eingebüßt hat.

Mit Qualitätverlust ist hier der unweigerliche Vergleich zum Erstlingsbrett gemeint, das der partyverliebten und augenzwinkernden Indie-Generation mit “Let’s Make Love And Listen To Death From Above” oder “Meeting Paris Hilton” aus der tanzenden Seele sprach. Der kreative Freigeist der Design-Kunst-Filmstundenten, Clubgänger und Lifestyleblogger, die einfach mal experimentieren, war auf diesem Album förmlich zu spüren – CSS hatte vor fünf Jahren zur richtigen Zeit die richtige Idee. Die Unbeschwertheit der ersten Stunde ist eine Bürde für alles Weitere, was danach folgen sollte.

 

Ein Vorwurf ist – und das ist ein logischer Vorwurf als Fan der ersten Stunde – dass CSS im neuen Album derart professionell und durchproduziert daherkommen. Man spürt, wie die Band mit einem Auge auf den zu bedienenden Markt schielt, und das tut ihrem Sound nicht gut. Waren die Songs der Band einst ungeschliffene Rohdiamanten, tauschte man sie auf La Liberacíon kurzerhand durch gut geschliffene Imitate aus.

Es wird zwar weiter mit mannigfaltigen Stilen, wie Punk oder Reggae experimentiert, wobei aber die Experimente weniger dreckig klingen, als solche eigentlich klingen sollten. In diesem Zusammenhang kann man auch gut auf den Opener “I Love You” verzichten, der einen kurzerhand auf ein Album von Rihanna mit dazugehörigem Stimmenverzerrer zappt.

Allerdings kann man auch nicht leugnen, dass CSS es immer noch verstehen abwechslungsreiche Electro-Rock/Synth-Pop-Musik auf die Tanzbeine zu stellen. Am Besten weiß hier die erste Albumhälfte mit “Hits Me Like A Rock” oder “Echo Of Love” zu gefallen. Der zweite Teil bleibt im Einfallsreichtum und auch den hohen Erwartungen meiner Gehörgange zurück. Da bleibt dem geneigten Hörer nur der Hoffnungsschimmer, die Brasilianer endlich einmal selbst zu erleben (und das am Besten auf dem Berlin Festival). Live sollen sie ja verdammt gut sein…

CSS – Hits Me Like A Rock

CSS – Let’s Make Love