Charles Manson, Amerikas größter Schreck, war in den 1970er der Inbegriff eines Psychopaten und Namensgeber für heutige Rockstars wie Marilyn Manson. Der Mordanstifter von früher altert heute im Knast, aber hat von seiner Anziehungskraft bis jetzt nichts verloren. In einem Interview mit dem Rolling Stone bringt sich der Ex-Hippie wieder ins Gespräch. Wieso erzählt dir Henning im Kiosk. 

Fast 20 Jahre ist es her, dass Charles Manson der Presse zuletzt ein ausführliches Interview gegeben hat. Dem Rolling Stone hat er es gewährt. Charles Manson, 79 Jahre alt, ist für viele das personifizierte Böse, ganz bestimmt aber einer der berüchtigtsten verurteilten Mörder.

„Wer auch immer getötet wird- es ist der Wille Gottes. Ohne zu töten haben wir keine Chance.“

1967, nach einem mehrjährigen Gefängnisaufenthalt gerade entlassen, trat der in die bunte Hippie-Welt San Franciscos und traf auf Menschen, die jemanden suchten, der ihnen Halt geben sollte. Und Manson mit seiner geheimnisvollen Aura eines Häftlings und gesegnet mit einem dem Vernehmen nach enormen Charisma wurde zu deren Mann. Er wurde zum Anführer und teuflischem Guru einer Gemeinschaft, die als „the Family“ traurige Berühmtheit erlangen sollte.

Manson, über freie Liebe und LSD hinaus, entwickelte in der Folgezeit ein ganz eigenartige Faszination für den Beatles Song „Helter Skelter“, glaubte aus diesem geheime Botschaften herauszuhören. Prophezeiungen nämlich für einen bevorstehenden Rassenkrieg zwischen Schwarzen und Weißen. Im Zuge dessen manipulierte er vier Mitglieder seiner Family bestialisch zu morden. Opfer wurden am 09.08.1969 vier Bewohner einer Villa am Cielo Drive. Diese Villa hatten Family Mitglieder selbst einmal bewohnt, zu einer Zeit, als Manson mit deren Besitzer Terry Melcher bekannt war, einem einflussreichen Produzenten (Manson versuchte sich seinerzeit als Folk-Musiker). Bekanntestes Opfer des Gemetzels (102 Stichwunden wurde insgesamt gezählt) wurde Sharon Tate, Schauspielerin und schwangere Frau des Regisseurs Roman Polanski. In der Folgenacht meuchelten die Killer die Supermarkt-Inhaber Rosemary und Leno LaBianca mit 77 Messerstichen. Viele sahen in den exzessiven Morden das Werk des Teufels, ausgelöst durch Mansons ausgeprägtes Charisma.

Und eben dieses zeichnet den seit nunmehr 44 Jahren inhaftierten Manson (das Todesurteil wurde in lebenslange Haft abgeändert) wohl noch immer aus. Jedenfalls vermittelt dies das Rolling Stone Interview. Selbst der Autor Erik Hedegaard berichtet nach seinen häufigen Besuchen im Gefängnis von einer perfiden Faszination, die von Manson ausgeht. Das daraus resultierende Gefühlschaos ist recht eindringlich spürbar. Genauso aber auch die psychopathischen Züge Mansons, gepaart mit kruden Rechtfertigungsversuchen, Selbstvergleichen mit Jesus und dem dagegen banalen Gefängnisalltag des 79jährigen. Letztendlich begreift der Autor das Gefängnis als den einzig richtigen Ort für ihn. Eine sehr interessante Geschichte, nicht nur für uns Nachgeborene.

Die Gruppe „Ja, Panik“ hat eine neue Platte veröffentlicht und die Spex hat sie im Proberaum besucht. Soweit so gut. Dieser Tage haben aber auch viele andere Musik veröffentlicht. „Ja, Panik“ ist aber die deutsche Band der Stunde und Andreas Spechtl ein besonders toller romantischer Songschreiber.

„Ja, Panik“ haben mit „Libertatia“ zu einem neuen Sound gefunden, genährt an der Brust von Soul, Post-Punk und New Wave. Es ist nahezu ein Pop-Album geworden, dessen Songs aber stets angenehm knapp am Radio-Hit vorbeischrammen. Spex- Autor Raffeiner bringt es auf den Punkt wenn er meint „dass Ja, Panik ihr (musikalisches) Freibeutertum (zwar) seit jeher betreibt, aber so dreist optimistisch war es noch nie“.

Namensgebend für das Album ist im Übrigen die behauptete Existenz einer Kolonie vor der Küste Madagaskars im 17. Jahrhundert. Ein Hort frier Individuen, geprägt von anarchistischen Idealen und Bürgerrechten.
Es ist zwar das fünfte Album, aber die Band bezeichnet es als die „zweite erste Platte“. Nachdem man 2009 von Wien nach Berlin übergesiedelt ist, hat sich im „Ja, Panik“- Kosmos einiges geändert. So sind Band- Mitglieder gegangen und neue zum 3er Kern dazu gestoßen und die ihnen immer wieder nachgesagte Intellektualität hat sich auf ihre Musik übertragen. So sieht es jedenfalls Andreas Spechtl. Die Molltöne sind auffällig verschwunden. Es gibt zwar noch immer die lieb gewonnene Traurigkeit aber halt ohne jede Art von Bitterkeit.

Ende 2010 war die Band dank des Goethe- Instituts im Sudan und in Ägypten. Die dort gemachten Erfahrungen waren aussagegemäß ebenso einschneidend. So wurden sie z.B. dort auf das wesentliche reduziert, die Musik, und damit „befreit von Bedeutungsüberfrachtung“. In diesem Zusammenhang berichtet man auch, als Indie- Band angekündigt und darauf hin gefragt worden zu sein, was sie denn so indisches machen.

Es bleibt zu konstatieren, dass die Spex- Story ist ein flammendes Pamphlet für „Ja, Panik“ ist. Ich meine: Ja, mit Recht.