5 Junge Männer, die gemeinsam ein Projekt starten, um Filme zu drehen, dann als vollwertige Band enden und auf den großen Bühnen spielen. Das ist stark vereinfacht die Geschichte hinter Breton bzw. BretonLabs. Wir trafen den Sänger zum Interview und besuchten das vorerst einzige Konzert in Deutschland. 

Breton traten erstmals 2010 mit ihrer EP „Counter Balance“, die bei Hemlock Recordings erschien, in Erscheinung. Doch für Roman, Ian, Daniel, Adam und Ryan war dies nie ein wirkliches  Ziel. Zusammengeschlossen hatten sich die Jungs unter dem Namen BretonLabs, um gemeinsam Filmprojekte zu realisieren. In ihrem „Lab“, einem alten Bankgebäude, das als Hauptquartier und kreative Schaffensstätte fungiert, bastelten Sie an kleinen Musikvideos, Remixen und Soundtracks für Freunde oder befreundete Bands. Als sie anfingen, Shows zu organisieren, bei denen Sie ihre Filme zeigten und dazu den Soundtrack live spielten, erlangten Sie gerade wegen der Musik mehr Aufmerksamkeit. Das entwickelte sich so weit, dass sie beschlossen eine EP aufzunehmen. Weitere EPs folgten bis hin zum Release ihres Debüt-Albums „Other People´s Problems“ im März diesen Jahres bei Fatcat Records. Musikalisch schaffen sie einen Sound, der wunderbar unverbraucht klingt und nicht gerade leicht in Worte zu fassen ist: ein Konglomerat aus Postrock-Indie Soundkulisse, Elektronika und Pop-Anleihen gemischt mit wilden Hip-Hop Beats und Synthieflächen, Field Recordings und gerade auf dem Album auch Streichern. Bevor wir nun weiter in die Materie eindringen, macht euch einfach selbst ein Bild mit „Edward the Confessor“, ein Stück bei dem Breton eindrucksvoll beweisen, was sie Musikalisch und Filmisch auf dem Kasten haben.

Aufmerksame Leser von Musikzeitschriften würden jetzt erwarten, dass eine Zeile folgt wie „Wir trafen den Sänger in einem Hotelzimmer in Berlin“, oft genug habe ich dies selber schon gelesen. Bei uns ist das Hotelzimmer aber eine kleine Holzhütte im Innenhof des Michelberger Hotels – okay in Berlin. Noch leicht gezeichnet vom Abend zuvor, den sie nach der Ankunft aus Salzburg mit Sushi und ein wenig Gefeier in Berlin verbrachten, nimmt Sänger Roman Rappak in seiner schwarzen Hoodie-Sweatjacke in dem kleinen Holzhäuschen Platz. In dieser ist gerade genug Raum für einen kleinen Tisch mit Blumentischdecke und 3 Stühlen.

Roman Rappak bei unserem Interview im Michelberger Hotel

Sänger Roman bei unserem Interview im Michelberger Hotel

Roman erzählt überraschend viel Persönliches, z.B. dass er nie eine richtige Verbindung zu England herstellen konnte und sich selber als „zu unbrittisch“ sieht, da er seine Kindheit nicht nur in England verbrachte sondern auch in Polen. Seine multikulturellen Familienverhältnisse gab er dafür als Grund an. Mutter: Irin , Vater: Pole,  Die Großeltern:  Deutsch und Polnisch auf der einen Seite, Irisch und Lettisch auf der andern Seite. Er ging in London auf eine französische Schule. Als die Familie nach Polen zog, ging er dort erst auf eine französische Schule und später auf eine englische. Vielleicht ist dieser Hintergrund auch für seinen Hang zum Surrealismus verantwortlich. Vorbild und Namensgeber für das Projekt ist ein Autor und Theoretiker des Surrealismus aus dem 19ten Jahrhundert: „Andre Breton“. Roman zeigt sich fasziniert von der Grundidee des Surrealismus, nämlich Dinge aus dem Kontext zu reißen und sich vom Zufall inspirieren zu lassen. Er spricht von einer Revolution, die der Surrealismus für die Kunst bedeutete: Nicht immerwährend dasselbe tun, eingefahrene Methoden aufbrechen und Neues auszuprobieren, sich des Unbewussten, Unkontrollierbaren im Schaffen bewusst werden. Dies wendet er auf das Songwriting an. Sound-Samples mehr oder weniger zufällig auszuwählen und in einen neuen Kontext, in eine neue Soundstruktur zu stecken, neue Verfahren ausprobieren und sich vom Unterbewusstsein leiten lassen, dass definiert den Sound der Band und spiegelt sich in fast jedem Song wieder.

Hier könnt Ihr euch das komplette Interview mit Breton herunter laden

Am Abend befinden wir uns für das Konzert im Roten Salon. Rot, rote Sofas und Sessel an den Seiten, der Saal rot ausgeleuchtet, fast die gesamte Deko in Rot. Roter Salon eben. Der Saal füllt sich nur langsam und  zu keiner Zeit schien die Kapazitätsgrenze erreicht, was der vorfreudigen Stimmung im Raum aber nicht schadet. Es bleibt klein und familiär und hört man nicht eh immer von Freunden und Bekannten, die von ihren schönsten Konzerterlebnissen berichten, dass diese in kleinen Etablissements stattfanden und es doch so schön klein und kuschelig blieb. Bevor es richtig zur Sache geht, krachselt Tour Manager „Ed“ noch auf der Bühne herum, um letzte Hand anzulegen, so dachten wir jedenfalls. Ed muss an diesem Abend den Part von Ryan übernehmen, der wegen wichtiger Uni-Angelegenheiten verhindert ist. So verweilt er die gesamte Show hinter dem Apple-Laptop an der Seite, um sich um die Visuals zu kümmern. Stichwort: Visuals. Leider fällt der filmische Part der Show eher simpel aus und kommt ohne Überraschungen oder Innovation daher. Zum einen aufgrund der Technik, die leider nicht in der Lage ist, die gesamte Leinwand hinter der Band zu nutzen. Zum anderen zeigen Sie „nur“ selbstgedrehte Musikvideos und Clips, die man als Fan größtenteils schon kennt. Es mussten hier sicher Kompromisse für den Abend eingegangen werden. Musikalisch gibt es dafür nichts zu bemängeln, der Sound im gesamten Saal ist ausgezeichnet. Als die Band die Bühne betritt, begrüßt Sänger Roman die Masse unter Beifall mit den Worten „Hi, we´re Breton. It´s nice to be here tonight, hope you enjoy it“ und legt mit dem ersten Song los. Die Jungs haben sichtlich Spaß und auch die Menge lässt sich mit jedem weiteren Song langsam immer mehr mitreißen. Diese Beobachtung hatte Roman schon angedeutet, berichtete er uns beim Interview am Nachmittag noch davon, dass das deutsche Publikum erst „überzeugt werden muss und nicht direkt von Anfang an mit ganzem Einsatz dabei ist“. Das deutsche Publikum sei „kritischer“.

Breton im Roten Salon, Volksbühne - Berlin

Die Band hängt sich voll rein, die Konzentration ist ihnen ins Gesicht geschrieben

Auch auf der Bühne wird sich noch Energie aufgespart „The setlist is half over and now we´re gonna play some other tracks“, beendet Roman die erste Hälfte des Konzerts. Diese ist überwiegend geprägt von Songs aus dem Album. Nun spielen sie auch ältere Songs, die noch auf den frühen EPs zu finden sind und bei denen sie sich so richtig reinhängen. Die Menge weiß dies zu schätzen, lässt sich von der Energie der Band anstecken: Beifall und Jubel werden intensiver und lauter. Bei „Edward the Confessor“ erreicht die Show ihren Höhepunkt. Drummer Adam scheint derweil in seiner eigenen Welt zu trommeln. Keine ruckartigen, wuchtigen Schläge teilt er auf sein Schlagzeug aus sondern es sieht eher aus wie in Trance: eine sanfte, kreisende und nicht endende Bewegung, die nicht recht zum eigentlichen Takt passt. Ian bietet den Kontrast dazu, er hämmert und schlägt wie wild auf seinen APC 40 (ein Hardware-Sequenzer zur Live-Bedienung von Ableton) ein und haut die Synthie-Beats aus ihm heraus. Später treibt er dies noch auf die Spitze, als er den APC40 auf seinen Arm nimmt und diesen im Stehen in hektischen Bewegungen und Zucken bedient, dabei aber nie aus dem Takt gerät. Hut ab. Songs wie „Ordnance Survey“ und „15x“ sorgen noch einmal für ordentlich Stimmung und Bassist Daniel lässt sich selber so mitreißen, dass es scheint er wolle die Bühne mit seinem euphorischem Hüpfen und Stampfen zerlegen. Das finale bildet der Song „December“, der in die Länge gezogen und mit prasselnden Percussions verzerrt wird, um die Show mit einem epischen Feeling zu beenden. Der Beifall ist groß und so lassen sich die Herren nicht lange bitten und geben noch eine kurze Zugabe. „Episodes“: ein kurzer aber sehr intensiver Song, bei dem Roman das Publikum oft gern zum Ausrasten einlädt. Nach der Show hat die Band keine Näherungsängste und geht durch die Menge zu ihrem Merch-Stand zum Plausch. Autogramme werden gegeben, Roman ist immer noch in Euphorie und Glückseligkeit gefangen und so ganz Aufgeweckt für Gespräche. Uns dankt er noch und betitelt das Interview als „wicked“.

Ein kleines Schmankerl noch zum Abschluss: das brandneue Video zur kommenden EP „Population Density“, das zum großen Teil aus Zusammenschnitten vom Festival „Route Du Rock“ aus Frankreich stammt.

Und hier der Live-Mitschnitt des Konzerts:
Breton Live @ Route du Rock – France

Bisherige Releases:

Counter Balance EP (2010, EP – Hemlock Recordings)
Edward The Confessor/Kensington System (2011, EP – Fatcat Records)
Sharing Notes (2011, EP – BretonLabs)
Blanket Rule EP (2012, EP – Fatcat Records)
Other People´s Problems (2012 – Fatcat Records)
Jostle/Foam (2012, EP – Fatcat Records)
Population Density (29.10.2012, EP -  Fatcat Records)

Tourdaten 2012:

17.10.2012    Ekko, Utrecht – Netherlands
18.10.2012    Antipodes, Rennes – France
19.10.2012    Chabada, Angers – France
20.10.2012    Le Normandy, Saint Lo – France
24.10.2012    Scala, London – UK
07.12.2012    Club Control, Bucharest – Romania
11.12.2012    Les Aventuries,Salle Jaques Brel, Fontenay-sous-Bois – France