Ein kanadisches Elektroduett auf dem Melt scheint jetzt erst mal keine Große Entdeckung zu sein, doch waren meine Erwartungen an Blue Hawaii deutlich größer als an die hiesigen, mir recht eintönig erscheinenden anderen Meltbeiträge.

Vor allem ihr Track “Blue Gowns” ist in seiner Reinheit und melodischen Rigorosität ein Lichtblick im tristen Elektropopalltag, der es durch Raphaelle Standell-Prestons sanfte, aber kraftvolle Stimme schafft Emotionalität und Ohrwurmqualität mit einer spürbaren Leichtigkeit zu kombinieren.

Blue Hawaii – Blue Gowns

Ihr Auftritt beim Melt Festival 2013 war dagegen ein Feuerwerk an Stimmsamples und Elektrodancebeats, der mit dem Ambientcharakter der beiden Montrealer Musiker eigentlich nicht mehr viel gemein hat. Zum Tanzen durchaus geeignet fehlte mir hier die Zugänglichkeit und die Sogkraft ihrer starken und slowen Tracks.

Blue Hawaii2

Blue Hawaii

Ein von der Realität gebeuteltes Partyvolk hätte diese vielleicht weniger frenetisch aufgefasst, doch das hier überhaupt kein richtiger “Bandtrack” gespielt wurde führte eher dazu, dass die Langeweile des Basses und der schreienden, sich immer wieder wiederholenden Stimme zu einer Unlust führte, die nur durch ein wenig Flexibilität hätte aufgelockert werden können. Also doch lieber weiter vor Youtube hängen und sich den eigenen Lieblingen widmen. Schade Marmelade.