Keine andere Band sorgte in diesem Jahr für so viel Wirbel bei Pop10 wie Berlin Syndrome. Berlin Syndrome, das sind Matze am Bass und Klavier, Robert und Marcel an den Gitarren, Graeme am Mikrophon und Marvin an den Drums. Sie kamen durch ihr Studium in Magdeburg zusammen und haben mal eben spontan im März für den SWM Talentverstärker eine Band gegründet, den sie dann auch noch gewonnen haben.

Seitdem geht es steil bergauf: die erste EP wurde aufgenommen, zahlreiche Konzerte wurden gespielt und beim Local Heroes Bundesfinale wurde auch nochmal fett abgeräumt. Unter anderem gab es hier den Preis für den besten Sänger. Was ist das Geheimrezept für so einen schnellen Erfolg?

Marcel: Harte Arbeit, Fleiß, viiiel Glück und ja, gute Freunde, die uns dahingehend wo wir jetzt sind unterstützt haben.

Was hat sich in der Zeit besonders für euch verändert?

Graeme: Ähm, nicht so viel. Es ist glaube ich genauso wie vorher, wir haben immer hart gearbeitet. Ich denke, ich habe auch mal Seiten an den Jungs kennengelernt, mit denen ich vielleicht nicht so glücklich bin (lacht). Aber abgesehen davon, hat sich für mich nicht viel verändert.

Robert: Also letztlich spielen wir immer noch Konzerte, wir schreiben Songs, proben und das ist ja von Anfang an das gleiche gewesen irgendwie. Das Einzige, was sich verändert hat, ist vielleicht das Soziale in der Band, dass wir netter miteinander umgehen mittlerweile. Nein eigentlich gar nicht, wir sind frecher zueinander als sonst (lacht).

Seit Kurzem stehen die fünf Jungs unter den Fittichen der Künstleragentur undercover, die auch große Künstler wie Bosse und Silbermond vertritt. Seit Managerin und Bookerin Kirsten Weißert die Jungs beim „Roq keeps Equality“-Open Air in Quarnebeck zum ersten Mal live gesehen hat, war sie ganz scharf darauf die Jungs unter Vertrag zu nehmen. Was macht Kirstens Faszination an dieser Band aus?

Kirsten: Ja ich denke, Jeder sieht viele Bands und gerade wir in unserer Branche sehen viele Bands. Aber es gibt halt wenige Bands, die herausstechen, und die in Einem direkt was auslösen. Und vor allem halt eine Vision auslösen, dass man gleich Bilder im Kopf hat und berührt wird und einfach genau weiß, dass da mehr ist, unter den Jungs, beim Songwriting, die Stimme. Es gibt halt selten so ein Zusammenspiel und das ist glaube ich einzigartig, oder das findet man zumindest nicht häufig. Und das veranlasst Einen dann dazu, ja, direkt zuzuschlagen sozusagen (grinst).

Wo seht ihr euch nächstes Jahr? Steht die Arbeit am ersten Album im Fokus oder habt ihr mehr Lust auf Liveauftritte?

Matze: Ja Beides. Also wir wollen auf jeden Fall ganz viel live spielen, kleine Festivals mitnehmen, in verschiedenen Clubs spielen und ganz viel rumkommen. Aber auch weiterhin Songs schreiben und dann vielleicht im Herbst oder Winter ein Album aufnehmen. Das wäre schon cool, wenn wir Beides hinkriegen würden.

Marcel: Ja wir müssen ja versuchen ganz viel live zu spielen, um uns eine Fanbase aufzubauen in Deutschland. Mal schauen, vielleicht machen wir ja auch einen kleinen Abstecher ins Ausland (grinst). Und dann nebenbei irgendwie ein Album vorbereiten.

Ihr seid also sehr gute Freunde und auch in eurer Freizeit viel miteinander unterwegs. Wie schafft ihr es da Privates und „Geschäftliches“ nicht zu vermischen?

Marvin: Naja, wir sind halt alle gute Freunde und nehmen alles recht viel mit Humor. Somit macht das Geschäftliche ja auch immer ein bisschen Spaß. Ich denke die Chemie stimmt einfach bei uns und ja, deswegen passt das.

Robert: Ehrlich gesagt glaube ich, dass es nur möglich ist, wenn man Privates und Geschäftliches vermischt. Denn es ist ja aus dem Privaten etwas Geschäftliches geworden oder wird es vielleicht mal irgendwann, wenn es dann in eine Richtung geht, wo das Ganze wirklich fruchtet. Aber wenn wir nicht befreundet wären und auch außerhalb der Band was machen würden, auch vielleicht im privaten Bereich über die Band mal sprechen würden, dann hätten wir viel weniger Zeit. Auch wenn man sich dann oft auf den Nerven liegt und sagt ‚Oh jetzt geht es schon wieder um das Thema Berlin Syndrome‘, ist es ja trotzdem wichtig, weil man dann eben die Sachen klären kann. Es gibt ja auch nicht 8 Stunden am Tag, so von 8 bis 16 Uhr die Zeit für die Band und danach nicht mehr, sondern es ist ja eigentlich sowas wie ein Fulltime-Job, wo man sich einfach darum kümmern muss, egal wann und egal wo. Und dann passiert es, dass man es vermischt, aber das ist ja wie gesagt nur gut, denn so lernt man sich nochmal besser auf dieser Ebene kennen.

Ihr bringt alle die verschiedensten Einflüsse in die Band und genau das hört man auch in eurer Musik. Wie entstehen eure Songs denn eigentlich?

Matze: Unsere Songs entstehen unterschiedlich. Es gibt teilweise Ideen, die jemand mit in den Proberaum mitbringt, wo wir dann zusammen dran rumspielen und das immer weiter verfeinern und ausbauen. Dann gibt es aber auch Ideen, die oft schon ziemlich fertig sind, die dann Einzelne mit in den Proberaum bringen, wo dann trotzdem jeder noch seinen eigenen Teil beiträgt und die Songs hinterher trotzdem natürlich was anderes sind, als die erste Idee war.

Gerade weil eure Musik so einzigartig ist, fällt es immer schwer, euch mit anderen Bands zu vergleichen. Aber wen würdet ihr denn gern mal supporten?

Robert: Ich wär stark für ‚The National‘ und damit nehme ich euch jetzt gleich mal den Joker aus der Tasche (lacht). Weil das eine großartige Band ist und die großartige Musik machen.

Matze: Ich bin für ‚Interpol‘, wir passen da auch ziemlich gut mit denen zusammen.

Graeme: Da bleiben ja nicht mehr so viele. Wie lang darf ich überlegen? Ähm ja… es ist sehr schwer. Nur aufgrund der Tatsache, wer sie sind würde ich ‚Elbow‘ sagen. Nicht, dass wir wirklich mit ihnen auf eine Bühne passen würden. Aber ja, das wäre cool!

Marvin: Erst letztens gesehen und sehr beeindruckt hat mich ‚The Boxer Rebellion‘.

Marcel: Entweder irgendeine Postrock-Band, Mogwai zum Beispiel. Oder ja wieso eigentlich nicht mal irgendwas Lustiges? Jetzt nicht sowas wie Justin Bieber, aber äh ja Helge Schneider zum Beispiel, der wär doch großartig. Oder ähm… MC Fitti, genau (lacht). Weil wenn man sich Graeme mal so anguckt, also ja…

Seit Wochen hält sich eurer Musikvideo zu ‚All for the Good‘ in den Pop10.de Charts auf Platz Nummer Eins. Was wollt ihr unseren Zuschauern an dieser Stelle noch gern sagen?

Matze: Ja vielen Dank fürs Abstimmen auf jeden Fall! Und wir versuchen natürlich auch für Nachschub zu sorgen, also das bald wieder auch ein neues Video am Start ist, das wieder in die Pop10 Charts gewählt werden kann.

 © Foto: Matthias Sasse