Im letzten Jahr entstand zwischen den Bühnen des Berlin Festivals erstmalig das Art Village, das – so sagen die Veranstalter – “überwältigenden Erfolg” hatte und deshalb in diesem Jahr wieder und sogar noch größer aufgebaut wurde. Es bleibt jedoch die Frage: Funktioniert Kunst auf einem Musikfestival?

Die Idee ist nett, die Umsetzung eigentlich auch. Ein Turm aus Schiffscontainern bilden den Eingang zur Bastelzone. Hier wird, solange das Festival dauert, geschraubt, gemalt und geklebt, was das Zeug hält.

Eine Tape-Krake schlängelt sich unter den Füßen der Besucher entlang, ein 3D-Flugzeug durchbohrt den Boden, der “Soundpanzer” sorgt für eine musikalische Untermalung. Mitmachen ist erwünscht, man kann sich verkleiden, fotografieren, schminken lassen und – natürlich – seinen eigenen Beutel bemalen.

Tape-Art auf dem Berlin Festival

3D Flugzeug

Nachts ein DJ Pult, am Tag ein Soundpanzer

Man kann also kurz Spaß haben, die relative Stille genießen und dann den Weg zur nächsten Bühne fortsetzen. Und genau das machen die Feierwütigen auch, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Für Graffitis und Gemälde hat hier ob des Alkoholpegels und der Tanzlust keiner einen Nerv, außer die Künstler selbst.

Die dafür umso engagierter. Selbst als der Himmel am Freitagabend seine Pforten öffnet, weichen sie nicht von ihren weißen Wänden. Es mag ein gewisser Druck dahinterstecken, denn immerhin haben sie lediglich zwei Tage Zeit, um ihre Werke fertigzustellen. Und dann, dann werden sie wieder vernichtet. Ist das nicht frustrierend?

Auch nachts im Regen wird hier gearbeitet

Ergänzt wurde das Art Village im diesem Jahr durch den Poetry Saloon, in dem bekannte Wortartisten die Flughafenkunstwelt um eine literarische Dimension erweiterten, sowie durch einen Kunstmarkt.

Die Regeln für letzteren sind die folgenden: Alle Werke müssen vom Künstler selbst stammen (aha) und dürfen, um Kommerz zu vermeiden, nicht mehr als 49 Euro kosten. Das klingt für “echte” und qualitativ hochwertige Kunst zu billig; um es sich in die Tasche zu stecken und damit zum Frittenbudekonzert zu gehen aber zu teuer.

Kaum besucht – der Kunstmarkt im Art Village

Es gibt sicherlich einen triftigen Grund dafür, warum Kunst und Musik auf dem Dockville Festival zeitlich getrennt stattfinden. Dadurch bekommen beide Seiten in etwa den gleichen Wert. Auf dem Berlin Festival ist das jedoch nicht der Fall. Das Art Village verschwindet zwischen den Bühnen. Es bietet eine kleine farbenfrohe Kulisse und man kann sich damit rühmen, die Berliner Kunstszene zu unterstützen – es dürfte aber von der Aufmerksamkeit der Besucher größtenteils verschont bleiben, was die teilnehmenden Künstler wiederum auch nicht glücklich macht.

Der Eingang zum Art Village

Standard in der Berliner Modewelt: selbstgemachte Beutel

Die Kostümkiste kommt an

Alternative Kunst – ein “Müll”-Mobile

Ob dieses Gebilde noch rechtzeitg fertig wird?