Wer ist eigentlich Infant King?
Dieser Name poppte vor Kurzem in der Magdeburger Musikszene auf. Dabei handelt es sich bei der Band um niemand anderen als die schon längst bekannten Pussy Con Carne. Jetzt sind sie mit neuem Schlagzeuger, neuer Single, neuen Album und neuem Namen am Start.

Der Name Pussy con Carne und die Band hätten sich auseinandergelebt, hieß es am 1. Mai diesen Jahres in einem Facebook-Post der Magdeburger Band. Mit Infant King wollen die Musiker eine neue Richtung einschlagen. “Infant King vermittelt eine ganz andere Grundstimmung als Pussy con Carne”, sagt Sängerin Nina Przyborowski. Nachdem Tim Flügge aus der Band ausstieg, ist auch das Schlagzeug nun mit Fabian Witter neu besetzt worden. Infant King scheinen einen Rundumschlag zu machen.

Am vergangenen Samstag feierten die Musiker die Veröffentlichung ihres neuen Albums “Superschizophrenic“ mit einem Konzert beim Kulturprojekt “Die Neue Sinnlichkeit” in der ehemaligen Justizvollzugsanstalt in Magdeburg. Unterstützt wurden sie dabei von der Berliner Band Combine. Zwischen Stacheldrahtzaun und buntem Scheinwerferlicht des früheren Knasts brachten sie die Stimmung zum Kochen. Einziges Manko dabei: Der schlecht abgemischte Sound. Die Gitarren dröhnen in einem einfarbigen Klangteppich und anfangs ist es schwer, den Gesang zu verstehen. Trotzdem rissen Infant King ihr Publikum mit.

Frontfrau Nina legt jede Menge Emotion in ihre Stimme. Zwischendurch erzählt sie Anekdoten: beispielsweise, dass sie sich im Gegensatz zu ihren ehemaligen Schulkameraden nicht über Geld profilieren kann, sie aber ganz geil finde, noch zu studieren und Musikerin zu sein. Davon singt sie in “Bad Luck“. Ein persönlicher Auftritt. Die vier Musiker sind auf dem Teppich geblieben, obwohl sie 2012 beim Contest “SWM Musicids” gewannen, mehrere Unplugged-Konzerte bei Radiosendern spielten oder in den letzten Monaten in Brünn, Bratislava und Prag auftraten.

Auch zwei Lieder aus der Vergangenheit werden gespielt, darunter “New Home“ aus Pussy Con Carne-Zeiten. Die Band grenzt sich nicht von ihrer Vergangenheit ab, sie definiert bloß ihre Richtung neu. Pussy con Carne stand für fröhliche, spaßige Songs. Mit dem Album “Superschizophrenic” werden die Themen ernster, sind mehr von Frust geprägt.

Dabei ergibt sich eine interessante Mischung aus Rock’n’Roll, Garage-Rock und Blues, manchmal mit Ansätzen von schwerfälligem Hard Rock. Auf jeden Fall mal Oldschool, mal sexy and dirty und manchmal auch melancholisch und emotional. Ruhige Töne bringt „In My Time of Dying“ ins Album, das eher dem melancholischen Blues zugeordnet werden kann. Auch Mehrstimmigkeit kommt zum Einsatz und zeugt von einer musikalischen Weiterentwicklung: einige Songs, einschließlich “What I’m Not“, sind zusammen mit einem hallenser Chor von Lehramtsstudenten entstanden. Schon der Eröffnungssong des Albums “They Know“ steigert langsam erst nur mit Gesang, dann mit verzerrtem Gitarrensound die Spannung und macht neugierig auf den Rest.

Auf ihrer Homepage schreibt die Band, dass sie mit ihren Texten alte Rollenbilder und Gewohnheitslügen aufdecken wolle. “The Greater Good“ beschreibt eine Art imaginären Selbstjustizakt eines selbsternannten Messias gegen Ungerechtigkeit. Die Texte lassen interpretativen Spielraum. Leitende Motive scheinen immer wieder Kämpfe, aber auch Liebe, Schmerz und die Liebe zum Schmerz zu sein, wie auch bei der aktuellen Single “Sweet Revenge“.

Manchmal wünscht man sich bei den Studioaufnahmen des Albums leider mehr von der Kraft und Energie in der Stimme, die Nina bei den Auftritten an den Tag legt. Ansonsten zeigen sich Infant King als vielseitige Rockmusiker, die auch mit ernsteren Tönen ihr Publikum auf ihrer Seite haben. Im Sommer wird die Band unter anderem in Lettland, Estland und der Tschechischen Republik auftreten.