Sons of Noel and Adrian – was sich nach der Wucht biblischer Namen anhört, ist ein Musikerkollektiv aus London und Brighton. Ursprünglich in der Folkmusik verwurzelt, sind sie spätestens mit ihrem neuen Album Turquoise Purple Pink, welches am 25. November 2016 erschienen ist, jenseits von jeglichen Genregrenzen angekommen: Alternative, Progressive-Rock, Free-Jazz, Experimental, Neoklassik – keine Beschreibung scheint ihre Musik gänzlich erfassen zu können.

Vier Jahre sind nun seit dem letzten Album Knots (2012) vergangen – eine lange Zeitspanne, wie selbst der Lead-Sänger Jacob Richardson im Interview mit Brightonsource einräumen musste. Doch viele Mitglieder der neun-köpfigen Band touren auch mit anderen Musikprojekten oder gehen ihren alltäglichen Berufen nach; gemeinsame Studiotermine seien da eine Herausforderung gewesen.
Sons of Noel and Adrian haben sich für ihr neues Album Zeit genommen, und das nicht nur für die Produktion. Von ihren sechs Songs ist keiner unter fünf Minuten lang – eine gängige Songstruktur mit üblicher Länge wird man hier nicht finden.

Denn auf dem Album ballen sich ausufernde Kompositionen mit Trompeten, Hörnern, Klarinetten, verzerrten E-Gitarren, donnernden Synthesizer- und Orgelspielen und kraftvollem Schlagzeug. Verbunden werden diese mächtigen Instrumentalpassagen mit dem tiefgehend melancholischen Bariton von Jacob Richardson und dem einfühlsamen Gesang der Vokalistinnen Emma Gatrill und Catherine Cardin. Und auf unglaubliche Art und Weise gibt die Band diesem instrumentellen Chaos eine sagenhafte Struktur.
Dabei hat jeder Song einen ganz eigenen, vielschichtigen Charakter; die unterschiedlichen Motive, die sich innerhalb eines Songs verknüpfen und wieder trennen können, transportieren intensive und faszinierende Stimmungen – seien es nun die kraftvollen Bläser und das archaisch treibende Schlagzeug in Perses, die langgezogenen Orgelflächen und Feengesänge in Children of Lewes oder die melodischen Streicher in Turquoise Purple Pink, die mit dröhnenden E-Gitarren und Synthesizer ringen.

Zugegeben, diese avantgardistische Musik ist nicht für jeden Geschmack etwas. Wer aber seinen Mut und seine Experimentierfreude aufbringt und sich diesem Album widmet, wird mit einem fesselnden und kaum vergleichbaren Hörerlebnis belohnt.

Das Album Turquoise Purple Pink ist am 25. November 2016 erschienen. Wer Sons of Noel and Adrian live sehen möchte, hat bis Ende Februar die Chance dazu. Alle Daten zur Deutschlandtour findet ihr auf ihrer Homepage.

© Beitragsfoto: Fanny Lambotte