Acid Pauli scheint in der großen Welt der Musik gar nicht so präsent zu sein und die LP “mst” eher wie aus dem Nichts erschienen. In Wahrheit verbirgt sich hinter Acid Pauli aber ein musikalisches Talent, das mit seinen vielen Aliasen bereits ausgezeichnete Musik veröffentlichte.

Schwarz ist fast alles, was man auf der Homepage von Acid Pauli zu sehen bekommt, bevor man sich irgendwann zu Bildern durchgeklickt hat. Weitaus facettenreicher ist die Musik, die sich hinter dem Elektro-Projekt von Martin Gretschmann verbirgt. Eigentlich ist er ein Bandmitglied von The Notwist. Und eigentlich heißt sein Solo-Elektro-Projekt Console. Gretschmann ist als Musiker aber mit vielen Identitäten unterwegs. Das Album „mst“ beweist wieder einmal, dass Musik befreit von unnützem Schnickschnack und dennoch vielseitig und vielschichtig sein kann. Acid Paulis Webseite ist übrigens eine Fanpage, die Gretschmann aber 1 zu 1 übernommen hat.

Der 39-Jährige stammt aus Weilheim in Oberbayern und noch heute arbeitet er dort oft an seinen musikalischen Produktionen. Seit 1996 ist er Teil der Indie-Band The Notwist. Im selben Jahr startete er auch mit dem musikalischen Schaffen als Console. Losgelöst vom Bandkonzept und die wachsenden Möglichketen elektronischer Musik ausnutzend kreiert er hiermit einen ganz neuartigen Sound.

Mit Acid Pauli schafft Gretschmann um 2000 eine Identität, die sich zunächst mehr dem Elektro und Techno widmet. Die vor wenigen Tagen erschienene LP erinnert aber sehr stark an die Anfänge von Console. Wo bleibt also der Unterschied zwischen Console und Acid Pauli? Verschmelzen in diesem Album die beiden Identitäten ein wenig, und Gretschmann schenkt Acid Pauli sozusagen das unter Insidern lang ersehnte Debüt? Es mag der melancholische Grundton in der Musik von Console sein, der bei Acid Pauli verschwindend leise wird und die beiden Aliase voneinander abgrenzt. So oder so: Das Album ist ein echtes Klangerlebnis. Gretschmann lässt aus Geräuschen Musik werden. Diese fängt den Hörer ein und wickelt in eine weiche Klangkulisse des Minimals ein. So ist die Platte weniger für nebenbei, als eher für stillere nachdenkliche Momente geeignet. Dass das Album unter Mastermind Nicolas Jaars Label Clown and Sunset erschien, passt gut. Und so bleibt nur zu hoffen, dass man den bescheidenen Musiker ach bald einmal wieder solo live erleben darf.

Projekte von Martin Gretschmann auf einen Blick

13 & God
Console
The Notwist
Toxic

Das Album

mst (September 2012 – Clown and Sunset)

Das gab‘s sonst auf die Ohren

2004: I love you (DiskoB)
2005: Stockfuck (Resopal)
2005: Billy the killy (DiskoB)
2006: Gwar is not the answer (smaul)
2007: Breaking the claves (smaul)
2009: Sidney (smaul)
2009: Symbiotic (smaul)
2009: Nil (smaul)
2009: Marvin (Compost)
2010: Den Malstroem rauf (smaul)
2010: World’s end (smaul)
Und mehr

Urheber des Titelbildes: e. res from Seattle, WA