Kollegah und Farid Bang schrammen mit ihren Texten an der Grenze des guten Geschmacks. Aber auch andere Rapper geizen nicht mit gewaltverherrlichenden oder frauenfeindlichen Zeilen. Warum stört das die Fans eigentlich nicht? Wir haben darüber mal nachgedacht – der Auftritt von MC Bomber in Magdeburg kommt da wie gerufen!

Momentan ein großes Thema in der Musikszene ist, wo die Grenze der künstlerischen Freiheit gezogen werden sollte. Höhepunkt dieser Diskussion war beim diesjährigen Echo am 12. April in Berlin, denn Kollegah und Farid Bang bekamen einen Preis in der Kategorie „Hip-Hop/ Urban National“. Die beiden Rapper sind bekannt für frauenfeindliche, gewaltverherrlichende und homophobe Texte. Jetzt wird ihnen allerdings aufgrund einer Auschwitz-Textzeile eines Bonustracks zum Album „Jung Brutal Gutaussehend 3“ Antisemitismus vorgeworfen („Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“). Auch die Songtexte von MC Bomber, der am Samstag den 05. Mai in Magdeburg in der Feuerwache auftrat, sind oft frauenfeindlich. Frauen werden zu Objekten gemacht, die meistens auch noch sehr dumm sind und nur zum Geschlechtsverkehr zu gebrauchen. Inwieweit kann, oder besser gesagt, sollte man das ernst nehmen? Ist wegen der Texte auch MC Bomber ein frauenfeindlicher Typ, oder im Grunde eigentlich total sympathisch? – Um das herauszufinden war ich in der Feuerwache und hab mich bei der „Gebüsch Welttournee“ unters Publikum gemischt.

Ich kann vorab schon sagen, dass ich schon lange nicht mehr auf einem Konzert war, auf dem die Besucher und deren Zufriedenheit so sehr im Vordergrund standen bei wie bei MC Bomber.

Jeder hatte wahnsinnig Lust, den jungen Mann aus Ostberlin live zu sehen und die Gäste und Fans waren nicht nur männlich. Viele Frauen waren da, die genauso die Texte mitrappen konnten und genauso feierten. Nachdem sich jeder sein kühles Bierchen holen konnte, startete auch schon der Voract, MXM und Pavel, beide ebenfalls Teil der Nordachse, einer Rapcrew aus Berlin. Hier wurden schon fleißig die Hip-Hop-Hände geübt und der Raum war schon so voll, dass alle ins Schwitzen gerieten.

MC-BOMBER_Phillip_Kaminiak_genehmigt

MC Bomber © Phillip Kaminiak

Bomber kam direkt im Anschluss, ohne Pause und hat von Anfang an für beste Stimmung gesorgt. Neben der echt super Live-Performance seiner Tracks wie „Sisyphos“, „Taubensohn“ oder „Gebüsch“, war er auch noch total sympathisch. Wein wurde mit dem Publikum geteilt, Witze wurden gemacht und nachgefragt, ob jeder zufrieden ist. Es war, als würde man mit einem guten Kumpel zusammen sitzen und er würde einem präsentieren, wie gut er live rappen kann – das Ganze halt in einem total vollem Raum mit lauter schwitzenden Menschen, die alle die Texte auswendig können.

Ich als Frau habe mich zu keinem Zeitpunkt auf diesem Konzert diskriminiert oder beleidigt gefühlt, sondern pudelwohl, so wie alle anderen Anwesenden auch. Natürlich sind Textzeilen wie: “Das erste was ich mach wenn ich mit dieser Frau nach Hause steppe, Badewasser rein, Ei legen auf Toilette, Kurz das Fenster auf zum Durchlüften des Bades, Danach muss sie aufs Klo weil ich sie später in den Arsch fick”, von “Feiern und Ficken” nicht sonderlich freundlich gegenüber Frauen und sprechen nicht gerade von Gleichberechtigung. Trotzdem rappen sie alle mit. Ich kann nicht genau sagen, woran es liegt, ich vermute aber, dass man sich selbst einfach nicht als dieser beschriebene Frauentyp sieht, der sich von irgendwem in der Disco mitnehmen lässt, der total unter Drogen steht und nach Alkohol stinkt. Es ist so, als würden sich die anwesenden Frauen und natürlich auch die, die diese Musik an sich hören, sich gemeinsam über das Klischee der dummen nur für Sex zu gebrauchenden Frau lustig machen. Das scheint mir auch der Grund zu sein, warum Rap, aber auch MC Bomber im Speziellen, viele weibliche Fans hat. Sie grenzen sich selber davon ab und sagen sich, dass dieses beschriebene Klischee nicht sie sind. Ich denke, die Grenze hierbei wird überschritten, wenn MC Bomber zu Frauen in Person herablassend wäre, doch das ist nicht der Fall. Er ist vielmehr ein Kumpel, der sich um das Wohlergehen aller sorgt. Vielleicht ist der Reiz an dem Feiern solcher Texte, sowohl als Mann als auch als Frau, einfach das gemeinsame sich über etwas lustig machen, von dem alle wissen, dass es eigentlich nicht so ist. Eine Grenze der künstlerischen Freiheit bei solchen Themen festzulegen, fällt mir persönlich sehr schwer, da ich mich von wenigen Dingen angegriffen oder beleidigt fühle, die Rapper von sich geben.

Abschließend kann ich nur sagen, dass man vielleicht nicht jedes Wort eines Rappers, oder allgemein Musikers, auf die Goldwaage legen sollte, sondern manches einfach mit dem Humor nehmen sollte, mit dem es auch gemeint ist. Und natürlich auch vielen Dank an MC Bomber für diesen schönen und lustigen Abend.